Rückblick:“Ich bin nicht der geilste Typ der Welt.“: Ein Interview mit dem Kantine-Mitbegründer Cornelius Hanßmann

Mit Kantine und Klimperkasten ist Cornelius Hanßmann eine der prägenden Figuren der Konstanzer Szenegastronomie und des studentischen Nachtlebens. 2006 gründete er gemeinsam mit seinen Freunden Rainer Henze und Sebastian Roller die Kantine Konstanz GmbH und ist nun schon seit zehn Jahren als deren Geschäftsführer tätig.

In den letzten Campuls Online Veranstaltungstipps empfahl Euch unsere Redakteurin Fiona Schiffer einen Besuch in der Kantine – der gebürtigen Reichenauer Haito Göpfrich legte bei der letzten SPRUNG-Nacht ’17 auf.

Eine Woche später fragen wir: wer war da? Wie hat es Euch gefallen? Und: Wer steckt eigentlich hinter der beliebten Kantine, in der die Konstanzer Studierendenschaft nicht nur gutes Essen kriegt, sondern auch zu wogenden (elektro-)Beats abfeiern kann? Wir graben in unseren Festplatten und präsentieren Euch ein Interview aus dem Sommersemester ’16:

Kantine-Mitbegründer Corn elius Hanßmann

Campuls: Bis 2005 hatten Sie eine Cocktailbar in Berlin. Das ist die Szenehauptstadt Deutschlands. Wie kamen Sie dann zum Konstanzer Nachtleben?

Hanßmann: So ab 2005 hatte ich einfach genug von Berlin. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 10 Jahre dort und auf die Dauer war mir das doch zu wild. Jedenfalls habe ich dann begonnen in meinem Freundeskreis die Info zu streuen, dass ich Berlin gerne verlassen würde. Ein Freund sagte mir dann, dass es in Konstanz vielleicht etwas für mich gäbe. So um den Jahreswechsel bin ich dann an den Bodensee gefahren, hatte ersten Kontakt mit der Neuwerkgenossenschaft und mir war sofort klar, dass ich mir das hier vorstellen könnte.

C: Waren Sie in Berlin viel in der Szene unterwegs?

H: Ich war tatsächlich noch nie ein großer Diskogänger. Ich bin ein großer Kneipen- und Konzertgänger und komme auch nur ganz am Rande aus dem elektronischen Musikbereich. Natürlich ist man in Berlin ab und an auf einer Elektroparty aber mein eigener Antrieb wäre eher Punkrock. Das wiederum wäre aber in Konstanz zu speziell gewesen.

C: Kantine und Klimperkasten prägen das Konstanzer Nachtleben. Möchten Sie in Ihren Läden Studenten und Einheimische zusammenbringen?

H: Also ich begreife es jetzt nicht als meine Aufgabe. Ich empfinde es aber nicht unbedingt so, dass Studenten und Einheimische fremdeln. Speziell im Klimperkasten habe ich aber viel einheimisches und studentisches Publikum. Dort kann man sich also tatsächlich kennenlernen. Hier in der Kantine ist es abends aber hauptsächlich studentisch. Vielleicht mit ein paar Prozent Schweizern und ein paar Prozent Einheimischen. Einheimische und Studenten zusammenzubringen war jetzt aber nicht Ziel von mir. Muss ich leider zugeben. (Lacht)

C: Gibt es am Standort Konstanz etwas, das Sie besonders schätzen? Oder auch etwas besonders schwieriges?

H: (Überlegt lange und lacht dann) Also man kommt hier am Standort Konstanz nicht daran vorbei über die Schweiz nachzudenken. Ich als Dienstleister sollte, genau wie alle anderen Dienstleister hier, nie vergessen, dass es dieses breite Angebot in dieser kleinen Stadt, seien es nun Galerien, Diskotheken, Gastronomie oder Hotels, ohne die Nähe zur Schweiz nicht geben würde. Baden-Württemberg geht es ja insgesamt ziemlich gut, aber Konstanz sticht da schon noch einmal hervor. Wir sollten uns also alle klar machen, dass es dieser Stadt wirtschaftlich wegen der Nähe zur Schweiz so gut geht und nicht, weil die Konstanzer solche tollen Hechte sind. Obwohl sie das bestimmt sind…

C: Betrachten Sie sich als so etwas wie den „König der Konstanzer Nacht“?

H: Nein, wirklich nicht. Man muss sich doch klar machen, was man eigentlich tut. Ich versuche Menschen eine angenehme, schöne und im Idealfall unvergessliche Nacht zu bieten und mehr mache ich nicht. Ich bin nicht der geilste Typ der Welt. Ich rette auch nicht die Welt. Ich versuche einfach, Leuten eine schöne Zeit zu machen und das war es. Ich bin da eher uneitel und geerdet, also ein untypischer Wirt und versuche mich im Hintergrund zu halten. Ich bin keine Rampensau. Das muss ein Wirt, um den sich Legenden ranken, aber sein. Und das meine ich gar nicht abwertend. Ich aber achte sehr auf meine Privatsphäre und möchte auch noch unerkannt durch die Stadt gehen.

C: Zum Schluss vervollständigen Sie bitte diesen Satz: Das Konstanzer Nachtleben ist…

H: (Überlegt wieder lange) Ich suche das passende Wort… (Schweigt) … für die Größe der Stadt äußerst umtriebig. Also damit meine ich explizit in der ganzen Stadt und nicht nur die Kantine.

C: Klar. Würde man Sie nach der Kantine fragen, würden Sie natürlich sagen: „Die ist geil.“

H: Oder mega. So sagen das zumindest viele meiner jungen Angestellten. (Lacht)
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