Same procedure as every Year

Ein Kommentar zu Neujahrsvorsätzen am 27. Januar? Viel zu spät! Ganz im Gegenteil. Etwas mehr als drei Wochen nach Silvester, bietet sich die Möglichkeit mit etwas Abstand auf Neujahrsvorsätze zu schauen.

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Mit dem neuen Jahr kommen für viele Menschen die neuen Vorsätze. In den ersten Januartagen sind auffällig viele Läufer:innen draußen unterwegs, viel mehr als sonst bei diesem Wetter, und in den Fitnessstudios drängeln sich neue, ambitionierte Sportler:innen. Kein Wunder, landet doch „mehr Sport” auf dem dritten Platz der beliebtesten Neujahrsvorsätze der Deutschen für das Jahr 2026. Zu dem Ergebnis kam eine Statista-Umfrage aus dem November 2025. Davor sind nur „mehr Geld sparen” auf dem ersten Platz, gefolgt von „Gesünder ernähren” auf dem zweiten Platz. Fitnessinfluencer:innen greifen das Verlangen nach persönlicher Veränderung und mehr Bewegung auf, und bieten zu Beginn des Jahres vierwöchige Fitnesschallenges an. Die Fitnessinfluencerin Pamela Reif ruft eigens dafür sogar den „Pamuary“ aus, in dem sie für vier Wochen tägliche Workouts, Rezept-Empfehlungen und Self-Care-Routinen bewirbt. Womöglich inspirierte sie der Veganuary, der schon seit längerem gesellschaftlichen Anklang findet und an dem dieses Jahr sogar die Mensa Gießberg an der Uni Konstanz teilnimmt, wenn auch nur in, Achtung Wortwitz, „abgespeckter” Form. Im Januar gibt es jeden Donnerstag ausschließlich vegane Gerichte. Es ist zu hoffen, dass auch über den Januar hinaus mehr vegane Speisen auf dem Essensplan landen. Fehlt nur noch, dass der Hochschulsport Konstanz ein Neujahrsprogramm verkündet.

Puls okay? Foto: Julia Joplin (Julia Farrenkopf)

Warum versuchen ausgerechnet im Januar so viele Menschen alte Gewohnheiten durch neue, gesündere Routinen zu ersetzen?

Klar, der Start eines neuen Kalenderjahres bietet einen willkommenen Anlass, auch bei sich selbst Veränderungen anzustreben. Leider ist der Januar einer der denkbar schlechtesten Monate dafür. Im Januar ist zwar genügend Zeit, die im Dezember für Geschenke besorgen, Freunde und Familie treffen und Weihnachtsfeiern besuchen draufging. dafür fehlt aber auch alles Behagliche, das die Weihnachtszeit mit sich brachte, um die dunkle Jahreszeit zu überstehen. Da ist es schon eine Herausforderung, im Januar nicht in einen post-weihnachtlichen Winterblues zu verfallen. Vielleicht ist das der Grund, warum Menschen im Januar persönliche Veränderungen anstreben. Die eigene Komfortzone verlassen steigert erwiesenermaßen die Zufriedenheit. Ob in der Kälte Laufen gehen oder Eisbaden, beide könnten dem Winterblues entgegenwirken. Dafür müsste aber zunächst der innere Schweinehund überwunden werden. Denn die positiven Nebenwirkungen machen sich erst im Nachhinein bemerkbar. Würde das nicht an sonnigeren und wärmeren Tagen eher gelingen?

Alle Jahre wieder… Foto: Julia Joplin (Julia Farrenkopf)

Ist die Versuchung für Neujahrsvorsätze womöglich groß, weil mit dem neuen Jahr ein neuer Zeitabschnitt beginnt? Neue Gewohnheiten an einen Startzeitpunkt zu knüpfen hat seine Vorzüge. Es nimmt den Druck raus, schon vorher mit den neuen Routinen, die zunächst ungemütlich sind, beginnen zu müssen. Im Dezember lässt es sich noch guten Gewissens mit den alten Gewohnheiten leben, wissentlich, diese im Januar zu ersetzen. Im Prinzip ist ambitionierte Neujahrsvorsätze schmieden wie eine teure Rennradausrüstung kaufen, ohne jemals zuvor Rennradfahren gewesen zu sein. Schon die Ausrüstung verleiht ein gutes Gefühl. Ebenso verhält es sich mit den guten Vorsätzen. Allein der Gedanke an sie verbessert das Wohlbefinden und verleiht ein Gefühl von Tatendrang. Im Gegensatz zu einer teuren Rennradausrüstung sind neue Vorsätze mit weniger Einsatz verbunden. Sie sind schnell und ohne viel Aufwand getroffen, schwer wird erst ihre Umsetzung. Der Start gelingt vermutlich noch einfach, hoch motiviert geht es auch bei schlechtem Wetter raus zum Laufen oder rein in den eisigen Bodensee. Nur wenige Tage später droht die anfängliche Euphorie jedoch zu verpuffen. Bereits nach drei Tagen geben die meisten Menschen ihre Neujahrsvorsätze auf. Zu dem Ergebnis kommt eine US-amerikanische Studie. Auf die anfängliche Euphorie folgt die Einsicht, dass die Umsetzung im Januar nicht einfacher ist als zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Jahr. Sogar schwerer, weil der Monat schon ungemütlich und trist genug ist und die selbst auferlegte Herausforderung im harten Kontrast zur behaglichen Weihnachtszeit steht. Den Disziplinierten, die durchhalten, droht am zweiten Freitag im neuen Jahr die nächste Hürde. An dem Tag ist die Abbruchquote unter Neujahrssportler:innen am höchsten, zumindest laut eigenen Daten des US-Unternehmen hinter der Spor-App Strava.

Schneller als die Kamera. Foto: Julia Joplin (Julia Farrenkopf)

Vermutlich sind die vielen frühzeitig gescheiterten Versuche der Grund, warum dieselben Vorsätze im nachfolgenden Jahr wieder getroffen werden. Die drei meistgenannten Vorsätze für 2026 schafften es bereits in den Jahren zuvor unter die Top-Jahresvorsätze. Zu dem Ergebnis kam eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Krankenkasse. Ein Anlass für den Aufruf, ein für alle Mal mit Neujahrsvorsätzen zu brechen und völlig unbeeindruckt ins neue Jahr zu starten. Für ambitionierte sportliche Ziele bleiben ab Februar noch über 300 Tage Zeit. Dann müssen diese doch wohl nicht ausgerechnet im Januar umgesetzt werden. Zumal der Januar im Studium durch die näher rückende Prüfungsphase schon stressig genug ist. Vorsätze lassen sich auch nach der Prüfungsphase umsetzen, dann sind sie möglicherweise sogar leichter durchzuhalten. In diesem Sinne, ein fröhliches und vor allem entspanntes neues Jahr.

Related Posts
Lesen

Gemeinnütziger Journalismus: Das Karla Magazin

Mit einer breit angelegten Kampagne, die sogar das Foyer der Universität erreichte, gelang es dem Karla Magazin per Crowdfunding über 100.000 Euro zu mobilisieren. Unsere Redakteure sind dem Projekt nachgegangen und haben mit dem Redaktionsleiter, Michael Lünstroth, gesprochen.
Lesen

Von der Klangwelt zweier Künstler – eine Reise durch Musik, Inspiration und Kreativität mit Roni und Baran

In der bunt schillernden Welt der Musik gibt es weitere Geschichten zu erzählen. Wieder bekommen wir einen Einblick in die persönlichen Erfahrungen und Entwicklungen, die hinter den Klängen und Texten junger Künstler:innen stehen. Roni (@Behroka auf Spotify) und Baran (@Petro auf Spotify), zwei aufstrebende Musiker aus Konstanz, produzieren Trap-Musik und nehmen das Campuls-Team mit auf ihre kreative Reise.
Lesen

Rabatzz und Schaumige Musen: Wie ein Kollektiv die Konstanzer Kunst-Szene aufmischt

Für Kunst, Kreativität, Authentizität und ordentlich Rabatz in Konstanz und Umgebung sorgt neuerdings das Studierenden-Kollektiv „RabatzzBande“. Seit Januar geben sie Kunst- und Kulturschaffenden auf ihren Veranstaltungen Raum und Bühne. Dabei ist jede:r eingeladen mitzumachen, zuzuschauen, sich inspirieren zu lassen und während der „Schaumigen Musen“ – wie sie ihre Veranstaltungsreihe nennen - auch Teil der „RabbatzzBande“ zu werden. Am 20. Mai hat die bereits dritte „schaumige Muse“ unter dem Thema „Delirium und Realität“ im Kulturzentrum Apollo in Kreuzlingen stattgefunden. Campuls war mit dabei und durfte die Gesichter hinter der Bande kennenlernen.
Lesen

„Das war schon immer mein geheimer Traum“ – Von LKM zur Tätowiererin

Mehr als jede:r fünfte Deutsche ist tätowiert, Tendenz steigend. Und auch die Akzeptanz für Tattoos im Beruf scheint größer zu werden. Campuls hat sich mit der angehenden Tätowiererin Saskia Mampe getroffen und mit ihr über Tattoos, ihre Ausbildung zur Tätowiererin und die neue REACH-Reform der EU unterhalten – englisch für Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien.