
LKM – Was bedeutet das eigentlich?
Die Abkürzung steht für den Studiengang Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften der Universität Konstanz. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der wissenschaftlichen Analyse von Texten, Kunstwerken, Filmen, Serien, Social Media und Games. Ein ganz schön breites Angebot also! Ein interdisziplinärer Blick auf die historische und kontemporäre Kultur soll es den LKM Student:innen ermöglichen, kulturelle Produkte in größere Zusammenhänge einzuordnen. Das klingt erstmal sehr abstrakt – Was wohl einer der Gründe ist, weshalb LKM im Vergleich zu Studiengängen wie Kommunikationsdesign oft als sehr theorielastig angesehen wird. Mit dem breiten Angebot an praktischen Werken, die im Rahmen des Studiengangs über Jahre hinweg entstanden sind, beweist die LKM Werkschau jedoch, dass das nur die halbe Wahrheit ist und bricht mit diesem und weiteren Klischees.
Durch die LKM Werkschau sollen Arbeiten und Projekte des Studiengangs – praktisch wie theoretisch – sichtbar gemacht werden. Den Startschuss gab am 09.04.2026 um 18:30 Uhr die Vernissage im H-Gebäude der Universität Konstanz. Die Werke der Student:innen konnte man jedoch noch bis zum 17.04.2026 im Foyer des A-Gebäudes betrachten. Organisiert wurde die Ausstellung durch die Kunst-Werk-Stadt, eine Hochschulgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, neue Vermittlungswege für Kunst in und um Konstanz zu finden. Kunst im öffentlichen Raum soll verständlicher und zugänglicher gemacht werden, um die Stadt noch einmal mit völlig neuen Augen zu betrachten.
Seit dem Wintersemester 2024/25 widmet sich die KWS auch der Organisation von Ausstellungen und Führungen, in die sich nun die LKM Werkschau einreiht. Dazu gehört ganz schön viel Arbeit. Neben der Planung der Vernissage, des Aufbaus und dem Entwurf eines Raumkonzepts, war die KWS auch für Social Media, Plakate und Flyer verantwortlich, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Zudem wurde der Kontakt zu Dozierenden, sowie aktuellen und ehemaligen Student:innen hergestellt, um Seminare vorzustellen und Projekte für die Werkschau zu sammeln. Von Kurzfilmen und Musikvideos, über Podcasts und Audioguides, bis hin zu Fotobüchern und Vielem mehr. Bisher gab es jedoch kein Format, das diese Projekte sichtbar macht. Nach der Abgabe verschwanden sie meist in irgendeiner Schublade oder einem seit Jahren ungeöffneten Ordner auf dem Laptop. Mit der Werkschau hat sich das nun geändert. Hier zeigt sich, dass der Studiengang um einiges mehr zu bieten hat als nur „Lachen-Klatschen-Malen“.

Produktion und Konzeption von Musikvideos
Wie hängen Musik und visuelle Ästhetik zusammen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Seminar „Produktion und Konzeption von Musikvideos“ von Dr. Manuel Schaub. Schon seit den 1960er Jahren werden Songs von Musikvideos begleitet, um Narrative, Text und Stimmungen zu verdeutlichen. Musik bekommt damit eine neue Dimension. Von den Projekten der Studierenden beeindruckt besonders das Musikvideo „Gift“ zum gleichnamigen Song des Künstlers Vincent Dittner, der selbst Teil der Gruppe ist. Die Thematik des Songs findet hier Ausdruck in einer durchdachten Farbgestaltung und cinematischen Ästhetik.
Rachel Ruysch. Nature into Art
Multimedialität ist ein zentrales Thema des Studiengangs LKM. In Zeiten von Kino, Social Media und Videospielen stellt sich häufig die Frage, wie Medien gleich mehrere Sinne ansprechen können – visuell, auditiv und haptisch. In diesem Seminar von Prof. Dr. Karin Leonhard und M.A. Laura Kromer beschäftigten sich Studierende mit der bislang kaum in der Forschung beachteten Barock-Künstlerin Rachel Ruysch und ihren Stillleben. In Kooperation mit der Alten Pinakothek wurde den Teilnehmer:innen des Seminars nicht nur eine direkte Betrachtung vor Ort, sondern auch ein Austausch mit den in München tätigen Kurator:innen ermöglicht. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit wurden anschließend mithilfe des Medienlabors der Uni Konstanz in Audioguides überführt. Damit soll Kunst nicht nur zugänglicher für die Öffentlichkeit werden, sondern erhält auch eine Stimme, die neue Perspektiven und Zugänge verspricht.
Filmische Appetizer
Neugier wecken, Spannung aufbauen und vielleicht sogar die ein oder andere Diskussion auslösen – Wenn wir an unsere heutige Filmkultur denken, vergessen wir dabei oft, wie wichtig bereits ein guter Teaser, Trailer oder Sneak Peek sein kann, um die Zuschauer:innen ins Kino zu bekommen. Das Seminar „Filmische Appetizer: Teaser, Trailer, Sneak Peeks“ von Dr. Manuel Schaub setzte sich mit der Geschichte und Wirkung solcher Kurzfilme auseinander und analysierte dabei, wie visuelle Ästhetik und Narration einen Film inszenieren, ohne dessen Inhalt vorwegzunehmen. Das Ergebnis: Kreative Kurzfilmprojekte von Studierenden, die als Trailer für fiktive Filme werben. Spätestens nach „Aurelia“ von Stefanie Weidner, Jan Martynel und Léonie Heiser aus dem Horrorfilmgenre und „Dealing with Christmas“ von Calla Höret, Hanna Kraus und Marie Schöll als klassische Weihnachts-Romanze bekommt man Lust auf mehr und ist fast enttäuscht, dass es die angeteasterten Filme wohl nie in voller Länge zu sehen geben wird.

Tanzt!
Für die meisten Student:innen bedeutet der Uni-Alltag stundenlanges Sitzen. Egal ob im Bus, vor dem Laptop Bildschirm oder in der Mensa. Dabei fehlt den meisten vor allem eins: Bewegung. Das Seminar „Tanzt! Was uns bewegt. Ein Tanztheaterprojekt“ von Dr. Judith Willkomm brachte dagegen frischen Wind in die Uni und darüber hinaus. Es handelt sich um ein Projekt aus zwei miteinander gekoppelten Seminaren. Einerseits gab es wöchentliche Online-Sitzungen mit theoretischen Impulsen aus den Disability Studies und Theaterwissenschaften. Andererseits widmeten sich Studierende der praktischen Umsetzung einer gemeinsam einstudierten Tanzperformance in Kollaboration mit dem Theater Konstanz, dem Seewerk und der Regenbogen-Schule. Aufführungen fanden sowohl beim Festival „let‘s ally“ sowie bei der Abschlussfeier der Regenbogenschule statt. Ziel des Projekts war es, ableistische Vorurteile, Körpernormen und gesellschaftliche Erwartungshaltungen an Tanz und Theater sichtbar zu machen und aufzubrechen.
SherLOOK
Immer wieder beschäftigen sich LKM-Studierende mit der Frage, wie Museen zugänglicher und interaktiver gestaltet werden können. In „SherLOOK“ treffen Kunst, Museumspädagogik und Gamedesign aufeinander und verbinden sich in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Werkstätten zu einem interaktiven Detektivspiel. Nun müssen Besucher:innen nicht länger nur vor einer Wand stehen um Bilder zu betrachten, sondern können sich auf eine spannende Spurensuche begeben, um knifflige Fälle zu lösen. Mit diesem Projekt schaffte es das Seminar von Prof. Dr. Steffen Bogen sogar in das lokale Rosgartenmuseum, wo SherLOOK seitdem spielerisch die Geschichte und Kultur der Stadt Konstanz erfahrbar macht.
Schlüsseltexte feministischer Filmtheorie
Während Zuschauer:innen im Kino gebannt auf die Leinwand starren, ist ihnen häufig gar nicht bewusst, dass sich dabei Blickregime, Körperinszenierungen und Geschlechterklischees in den Film einschreiben. Im Seminar: „Schlüsseltexte feministischer Filmtheorie“ von Prof. Dr. Beate Ochsner lernten Studierende, diese Prozesse nicht nur aufzudecken, sondern auch kritisch zu reflektieren. In eigenen filmischen Arbeiten konnten sie ihr erlerntes Wissen über Bildgestaltung, Montage, Narration und Sound praktisch umsetzen, um die Filmtheorie aus neuen Blickwinkeln zu beleuchten.

Fotobücher
Fotografie ist schon lange nicht mehr aus der Kunst wegzudenken und hat sich als künstlerische Gestaltungsform etabliert und weiterentwickelt. Aber wo finden solche fotografischen Werke ihren Platz und wie hat sich die Bildproduktion im Laufe der Zeit verändert? Wie gelingt es Bildern, Emotionen hervorzurufen und haben sie vielleicht sogar ein nostalgisches Potenzial? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Student:innen des Seminars „Fotobücher“ von Prof. Dr. Bernd Stiegler und wurden schließlich selbst kreativ tätig. Beim Durchblättern der Fotobücher beeindruckt nicht nur der haptische Zugang zur Kunstbetrachtung, sondern auch die zutiefst persönlichen und bewegenden Geschichten der Studierenden. Hier wird eindeutig klar: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Dank des Engagements der KWS wurde bei der LKM Werkschau ein Raum voller kreativer Projekte und inspirierender Begegnungen geschaffen. Viele LKM-Studis schlagen nach dem Studium eine ähnliche, berufliche Laufbahn in der Film-, Game-, Literatur- oder Kunstbranche ein, wobei die Projekte häufig ein erster Schritt in die Richtung künftiger Veröffentlichungen sein können. Die Ausstellung ermöglicht eine Wertschätzung der kreativen Arbeit und zeigt, wie vielseitig dieser Studiengang tatsächlich ist.








