Wohnen als soziale Aufgabe
Der Wohnungsmarkt im Bodenseeraum bleibt für Studierende weiterhin eine große Herausforderung. Die Situation ist angespannt, und bezahlbarer Wohnraum ist knapp: Eine Realität, die auch die neue Seezeit-Geschäftsführerin, Frau Klaus, nur zu gut kennt. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Immobilienmanagement bringt sie wertvolle Expertise mit, legt aber besonderen Wert darauf, den gemeinnützigen Auftrag des Studierendenwerks in den Vordergrund zu stellen.
Aus studentischer Sicht ist Wohnen oft der größte Stressfaktor neben dem Studium. Frau Klaus betont: „Die Mieten steigen kontinuierlich, und die Möglichkeiten, dies direkt zu beeinflussen, sind begrenzt. Dennoch ist es unser Ziel, weiterhin Wohnraum deutlich unter dem Marktpreis anzubieten.“ Dabei sieht sie das Studierendenwerk als eine wichtige Stabilitätsfaktoren auf dem Wohnungsmarkt für Studierende. Um dieses Versprechen zu halten, muss Seezeit nicht nur die bestehenden Wohnanlagen bezahlbar gestalten, sondern zugleich auch in deren Modernisierung investieren. „Die Instandhaltung und Modernisierung unserer Wohnheime kosten Geld“, dennoch würden sie diese Ausgaben als essentielle Investition in faire Studienbedingungen und eine lebenswerte Umgebung für Studierende betrachten, erklärt Klaus. Eine ausgewogene Balance zwischen Kostendeckung und sozialer Verantwortung sei hierbei entscheidend.
Lohnt sich das Lunchdate in der Mensa noch, Frau Klaus?
Auch das Thema Verpflegung auf dem Campus beschäftigt die neue Geschäftsführerin stark. Der Mensabetrieb habe sich seit der Corona-Pandemie deutlich verändert: „Viele Lehrveranstaltungen finden inzwischen online statt. Das heißt, es sind weniger Studierende vor Ort – und das spüren wir in den Mensen deutlich.“ Dabei gehe es nicht nur um weniger Essensteilnehmer:innen, sondern auch um die Herausforderung, das Angebot wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. „Wir möchten weiterhin eine breite Auswahl bieten – ob vegetarisch, vegan, Bio oder mit Fleisch. Aber wenn weniger Studierende kommen, wird es schwieriger, diese Vielfalt zu finanzieren.“ Ein besonderes Augenmerk legt Klaus dabei auf die Standorte außerhalb von Konstanz: „Vor allem in Weingarten sehen wir starke Schwankungen; montags und freitags ist kaum jemand da. Wir müssen lernen, flexibel auf solche Entwicklungen zu reagieren.“
Trotz der erst Anfang des Jahres erfolgten Preiserhöhungen in den Mensen und Cafeterien des Studierendenwerks macht das Studierendenwerk mit der gastronomischen Verpflegung an den Universitäten keinen Gewinn; das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn Frau Klaus im Gespräch darüber schmunzelt, sieht die Realität härter aus, als sie es durscheinen lässt: Das Ziel ist es, den Verlust so gering wie möglich zu halten.
Studentische Teilhabe stärken
Für Klaus ist klar: Ein Studierendenwerk funktioniert nur im Austausch mit denjenigen, für die es da ist. Sie hat in ihren ersten Wochen deshalb gezielt das Gespräch mit Studierenden, Mitarbeitenden und Hochschulvertreter:innen gesucht: „Ich will verstehen, was die Studierenden wirklich brauchen“, betont sie. „Gerade weil sich die Lern- und Lebensrealitäten verändert haben, müssen wir neue Formen der Teilhabe und Kommunikation finden.“
Sie sieht Seezeit dabei als Brückenbauer zwischen Hochschule und studentischem Alltag. Neben Wohnraum und Verpflegung spielen auch soziale Beratung und psychologische Unterstützung eine wachsende Rolle: „Wir merken, dass viele Studierende die Angebote noch zu wenig nutzen“ oder Hemmungen haben, sie zu nutzen. Daran wolle sie arbeiten. Durch niedrigschwellige Informationen und Präsenz vor Ort.
Ist das noch rentabel?
Die größten Herausforderungen für die Zukunft sieht Frau Klaus in der Finanzierung. Steigende Energie- und Personalkosten, sinkende Studierendenzahlen und gleichzeitig der Anspruch, soziale Preise zu halten, führen zu Spannungen. „Wir sind ein gemeinnütziges Werk, das heißt, wir wollen keine Gewinne erzielen, sondern unseren Auftrag erfüllen“, erklärt Klaus. „Aber auch wir müssen unsere Mitarbeitenden fair bezahlen und steigende Kosten abfedern.“
Hinzu komme, dass geringere Studierendenzahlen unmittelbar Auswirkungen auf die Einnahmen hätten. Zum Beispiel durch niedrigere Beiträge oder weniger Umsätze in Mensen und Cafeterien. „Wir müssen wirtschaftlich denken, aber sozial handeln.“ Das sei die Balance, die Seezeit jeden Tag herausfordert.
Ein Blick nach vorne
Trotz aller Herausforderungen blickt Gisa Klaus optimistisch in die Zukunft. Sie möchte Seezeit als modernen, transparenten und zukunftsorientierten Dienstleister positionieren – mit einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Studierenden. „Ich bin überzeugt, dass wir als Studierendenwerk eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen.“ Denn wenn Studierende gut wohnen, gesund essen und sich ernst genommen fühlen, ist das ein Gewinn; nicht nur für die Hochschulen, sondern für die ganze Region.













