Von Konstanz zurück nach Freiburg

Frau Prof. Dr. Kerstin Krieglstein im Gespräch über die Universitäten Konstanz und Freiburg, das Kollegium und die Studierenden.

Frau Prof. Dr. Kerstin Krieglstein war vier Semester lang die Rektorin der Universität Konstanz. Im nächsten Semester tritt sie die Stelle als Rektorin an der Universität Freiburg an. Wir haben sie für euch zu einem Interview getroffen.

Auf die Frage, was Frau Krieglstein dazu bewege, an die Universität Freiburg zurückzukehren, meint sie, dass es auf keinen Fall eine leichte Entscheidung gewesen sei. Doch sie bekam eine Chance, die einem vielleicht nur einmal im Leben geboten wird. Die Stelle in Freiburg wurde ausgeschrieben und mit ihr eröffnete sich eine neue Perspektive für sie. Frau Krieglstein hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht in Erwägung gezogen, die Universität Konstanz zu verlassen. Ihr bot sich jetzt jedoch die Möglichkeit, eine neue Beziehung zu dieser Universität aufzubauen. Sie sah eine neue Herausforderung:

„Was ich an der Freiburger Universität interessant finde, ist, dass sie eine sehr viel größere Universität und bei dieser Größe eine Volluniversität ist.“

Prof. Dr. Kerstin Krieglstein

Das große Fächerspektrum sei verlockend. Zudem sei es äußerst selten, dass Technik und Medizin zugleich angeboten werden. Dies eröffne neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit – sowohl dieser beiden Fachbereiche als auch von Forschung und Lehre.

Es gibt zwei Dinge, die Frau Krieglstein an der Universität Konstanz am meisten vermissen wird. Einerseits „das ungeheure kreative Potenzial vieler Menschen an der Universität, Dinge schnell und kreativ und gut anpacken und lösen zu wollen“ und andererseits „die starke Dedikation zur Universität über alle Gruppen hinweg.“ Es sei ein starkes Bedürfnis vorhanden, konstruktiv an einer Sache zu arbeiten. „Das ist sehr bestechend“, meint Frau Krieglstein dazu.

Sie ist der Meinung, dass sich die beiden Universitäten in der Art und Weise, an Projekte heranzugehen, unterscheiden. Die Kapazitäten der Universität Freiburg sind insofern größer als diejenigen der Konstanzer Universität, als dass sie viel mehr Studierende und Mitarbeiter_innen haben, welche an Projekten arbeiten können. Daher kann schneller agiert werden. Konstanz wiederum arbeite dafür interdisziplinärer, dadurch nachhaltiger und setze auch auf die Beständigkeit der Projekte.

Frau Krieglstein bevorzugt einen „transparenten und partizipatorischen Führungsstil“ und hofft, dass dies spürbar war. Sie hat versucht, viele Menschen für die Projekte zu begeistern, welche durch die Hochschulleitung und sie selbst initiiert wurden. Dies sollte für eine gewisse Dynamik sorgen und „gelebte Veränderung“ bringen.

Bildrechte: Universität Konstanz

In einem Artikel des „Südkuriers“, erschienen am 5.5.2020, wird erwähnt, dass es anonyme Kritik aus dem Kollegium an Frau Krieglsteins Führungsstil gebe. Sie meint daraufhin:

„Es ist mein daily business, dass Leute etwas zu kritisieren haben. Aber es gibt eine unterschiedliche Kultur, wie man dies tut. Dass man aus einer anonymen Position heraus Kritik übt, tut mir eigentlich leid für denjenigen, der das macht. Ich hätte einen offeneren, ehrlicheren Austausch bevorzugt.“

Der persönliche Umgang mit Studierenden wird bei Frau Krieglstein großgeschrieben. Die Zusammenarbeit der Universitätsangestellten und der Studierenden sei äußerst bereichernd für beide Seiten. Die jungen Menschen haben Ideen, welche oft ohne Rücksicht auf Konventionen entstehen. Es werde nach den Sternen gegriffen. Die Mitarbeiter_innen der Universität wiederum hätten mehr Lebenserfahrung und würden sich mit den Prozessen, welche hinter Projekten und Entscheidungen stehen, auskennen. Die Mischung aus beidem ergebe eine schöne und aufregende Kombination, welche sie auf keinen Fall missen wollen würde.

Wir für unseren Teil wünschen Frau Krieglstein alles Gute auf ihrem weiteren Weg und hoffen, dass sie gerne an ihre Zeit in Konstanz zurückdenken wird.

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