Konstanz im Kneipentest – auf Entdeckungsreise durch die verborgenen Bars der Stadt

Die Stiftung Kneipentest verschreibt sich jeden Monat dem Wohl aller Studierenden in Konstanz. Die Tester:innen besuchen nicht nur allseits bekannte, sondern vor allem die Bars, die bei den meisten Studierenden bisher noch nicht so viel Gehör bekommen haben. Wir durften ihnen einen Abend lang über die Schulter schauen und die wichtigen Fragen des Lebens klären: Wie hell darf ein Helles sein? Und wann ist eine Weinschorle zu warm?

Es ist ein lauwarmer Montagabend und vor der Focus-Bar in Petershausen steht eine Truppe in weißen Arztkitteln, die sich gut gelaunt unterhält. Ihre Kittel schmückt das rote Logo der selbsternannten Stiftung Kneipentest. An die großen Augen der Passanten sind die Mitglieder bereits gewöhnt. Seit Oktober 2023 treffen sich die Student:innen einmal im Monat in ihrer Freizeit für eine Bar-Test-Runde.  „Man geht in Konstanz immer in die gleichen drei Bars, auch wenn es komplett voll ist und man nur einen Stehplatz am Rand bekommt. Also hatten wir vor, einen Abend lang nur in Bars zu gehen, in denen wir noch nie waren“, erzählen die zwei Gründer Marcel und Felix von der Geburtsstunde der Stiftung Kneipentest. Aus ihrer simplen Idee haben sie ein kreatives Konzept entworfen, um Nischen-Bars in Konstanz zu testen und andere Kneipenbegeisterte in Konstanz über ihren Instagram-Account zu inspirieren. Mittlerweile hat die Gruppe viele Barbesucher:innen begeistert und es sogar in die Landesschau Baden-Württemberg des SWR geschafft.

Auf dem Bild sieht man die Jury der Stiftung Kneipentest in ihren weißen Laborkitteln.
In professionelle Laborkittel gekleidet, nimmt die „Stiftung Kneipentest“ die Konstanzer Bars unter die Lupe. Foto: Ronja Räuber

Der Gehweg vor der Focus-Bar füllt sich immer weiter mit den Stiftungsmitgliedern in ihren Uniformen. Insgesamt besteht die Gruppe aus knapp 15 Student:innen. Die meisten von ihnen haben sich im vergangenen Jahr per Bewerbungsvideo für ihre Aufgabe als Bar-Expert:innen qualifiziert, dazu stoßen heute noch ein paar Gast-Tester:innen. Die heutigen Teamkapitäne Marco und Lea verteilen die Fragebögen, auf denen von Weinschorle über Exoten bis hin zu Ambiente und Service alle Kategorien vertreten sind. Diese Bögen sind natürlich streng geheim, damit sich keine Bar auf den Besuch der Stiftung vorbereiten kann und die Test-Besuche authentisch bleiben. Auch wichtige Hilfsmittel, wie ein Stethoskop zum Abhören des „Weinschorle-Blubb“, Thermometer und Messbecher zum Prüfen der korrekten Menge und Temperatur dürfen natürlich nicht fehlen. Nun bestens ausgerüstet, heißt es für Dosenbier-Doro, Ginderella, Le Tornado Da Gingi, Bierbi Blockberg und Co. Abmarsch zur ersten Testung des heutigen Abends. Die Spitznamen haben sich alle Mitglieder bei ihrer ersten Test-Runde selbst gegeben und tragen sie nun stolz auf ihren Mänteln. Meistens testet die Stiftung vier bis fünf Bars in einer Runde, heute sind es drei. Die Route haben Marco und Lea im Vorhinein geplant und bis jetzt für sich behalten. Wohin es als nächstes geht, erfahren die Tester:innen erst nach dem ersten Barbesuch.

Die relativ überschaubare Raucher-Bar “Focus” wird fast vollständig von den Mitgliedern der Stiftung Kneipentest eingenommen, aber letztendlich findet doch jede Expert:innen-Gruppe einen Platz für sich. Gut gelaunt geben alle ihre Bestellungen für die verschiedenen Testrubriken auf und halten ihre Utensilien bereit, bis die Getränke serviert werden und die Testung mit Fragebogen losgehen kann. Nach einem allgemeinen ersten Eindruck schätzen die Barkenner:innen die Atmosphäre auf eine solide Schulnote drei.  „Die Subjektivität der Testung nimmt im Laufe des Abends und mit steigendem Alkoholpegel natürlich zu. Die Bars, die später getestet werden, stauben meist bessere Bewertungen ab. Es kommt aber auch immer stark auf die Gastgeber:innen an“, erklärt Kapitän Marco. Zum Glück gibt es für die eigene Zurechenbarkeit extra eine Skala zur Selbsteinschätzung auf dem Bewertungsbogen.

Das genaue Ergebnis berechnen die Mitglieder am Ende des Abends aus dem Durchschnitt aller Einzelbewertungen und veröffentlichen es mit ihren individuellen Empfehlungen auf Instagram. Dort befinden sich mittlerweile schon Bewertungen von etwa 25 Bars und Kneipen in den Konstanzer Stadtteilen. Den ersten Platz der Tester:innen teilen sich bisher das “Old Marys” und die Einsteinbar, beide in der Altstadt. 

Ob die Focus-Bar da mithalten kann, finden die Mitglieder ausführlich mithilfe ihres Equipments heraus. Hat das Helle die richtige Farbe und die Weinschorle den perfekten Kohlensäuregehalt? Es wird eine knappe Stunde gefachsimpelt, bis alle Teams sich ausgetauscht und eine Meinung über ihre jeweilige Kategorie gebildet haben. Sie stellen fest: der Weinschorle-Blubb sei ausbaufähig, die Musik dafür immer besser geworden. Die Zahlung erfolgt aus eigener Tasche, pro Abend können gut zwischen 25 bis 50 Euro pro Kopf zusammenkommen. Bevor die Stiftung weiterzieht, darf der eigene  „Getestet“-Aufkleber an der Tür der Bar natürlich nicht fehlen.

Nach diesem ersten Besuch des Abends rufen Marco und Lea einen Papierflieger-Weitwurf-Wettbewerb und ein Musik-Quiz aus, anhand derer ihre Mitstreiter:innen die nächste Bar ausfindig machen können. Mit einer Menge Spaß und spontaner Unterstützung von ein paar Kindern erraten die Mitglieder schließlich die nächste Bar: Es geht in die Joker Bar am Zähringerplatz.

Neue Bar, altes Prozedere. Alle zücken die Bewertungsbögen. „Innerhalb der Gruppe gibt es große Schwankungen, was wir an Bars mögen. Einige mögen zum Beispiel keine Raucherbars, andere gehen darin total auf. Deshalb läuft es am Ende oft auf eine Note von Zwei bis Drei raus“, reflektieren die Mitglieder während der Testung,  „Gerade in Konstanz ist es wichtig, dass es nicht zu ‘schnöselig’ wird. Studierenden-Bars schneiden oft gut ab, gesellig wird es dafür in Raucherkneipen. Nicht nur die Getränke sind uns wichtig, sondern auch die Stimmung und der Preis.“

Mit den Getränken in der Hand blicken Felix und Marcel auf ihre Bar-Historie zurück:  „Der heutige Abend ist sehr entspannt. Die erste Test-Runde war richtig verrückt. Die Bars haben aufgefahren, die Barkeeper haben eine Challenge nach der anderen angenommen. Wenn ihr im Old Marys seid, müsst ihr den Besitzer mal fragen, ob er einen Espresso Martini in unter 45 Sekunden hinkriegt!“

Heute Abend haben die Tester:innen weit über den studentischen Tellerrand hinausgeschaut und Kneipen erkundet, die man sonst schnell übersieht. Alle sind schon gespannt, welche Bars das Ziel der Stiftung Kneipentest im nächsten Monat werden. 

So führt die Stiftung Kneipentest Studierende an die kunterbunte Konstanzer Bar-Landschaft heran und gibt auch Newcomer-Bars oder Kneipen mit harter Schale und weichem Kern eine Chance. Für euren nächsten Barbesuch lohnt sich also vielleicht auch ein Blick über die eigene Stammkneipe hinaus. Viele Inspirationen findet ihr im Instagram-Kanal der Stiftung Kneipentest: @stiftungkneipentest

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