Auf eine gute Nachbarschaft! Einem Tutor über die Schulter geschaut

Wer als Studi nach Konstanz zieht, hat sich auf die eine oder andere Weise schon mit der Wohnungssuche herumschlagen müssen. Für viele sind Seezeit-Wohnanlagen die Lösung – niedrige Mieten und eine gute Lage entschädigen für die oft wechselnden Mitbewohner:innen. Auch Michael Saur wohnt in einer solchen Wohnanlage und das schon seit ungefähr sechs Jahren. Neben seinem Bachelor- und späteren Masterstudium lebt er aber nicht nur in einer der Sonnenbühlstraßen-WG’s, er ist dort auch Tutor. Was einmal als Ehrenamt begann, ist heute ein bezahlter Job beim Studierendenwerk Seezeit, den er bereits seit vier Jahren macht. Um zu erfahren, was man sich unter diesem Job vorstellen und wie man als Mieter:in davon profitieren kann, hat sich Campuls mit ihm getroffen.

Es gibt wahrscheinlich wenige Studierende, die sich besser als Michael mit den Wohnanlagen und mit dem Seezeit-Angebot im Allgemeinen auskennen. Das hängt natürlich auch mit seinem Aufgabenbereich zusammen: Vermittlung und Austausch sind die großen Fokuspunkte, auf die sich die Tutor:innen konzentrieren. Denn auch wenn man in den Wohnanlagen auf vergleichsweise engem Raum zusammenwohnt, kommt es oft vor, dass man seine Nachbar:innen und manchmal sogar seine eigenen Mitbewohner:innen kaum oder überhaupt nicht kennenlernt. Um dem entgegenzuwirken, beschäftigt sich Michael zusammen mit dem gesamten Team, bestehend aus fünf aktiven Tutor:innen, unter anderem mit dem Organisieren von Kennenlern-Events für Studierende – vor allem für Erstsemester und Internationals eine wichtige Anlaufstelle. 

Michael Saur (links im Bild) ist Tutor in den Wohnanlagen von Seezeit. Foto: Malin Jachnow

Aber nicht nur die Kommunikation unter den Bewohner:innen soll gefördert werden. Michael stellt in seinem Zuständigkeitsbereich auch das Bindeglied zwischen Seezeit und Studis dar, das vermittelt, wo es nötig ist. Er erzählt von Umzügen, die über ihn mit dem Studierendenwerk geregelt werden, und von Fragen und Wünschen, die er an die richtigen Ansprechpartner:innen weitergibt. Viele der Angebote sind oft gar nicht bekannt, wie zum Beispiel die psychologische Beratung von Seezeit, oder einfach der Verleih von Glühweinkochern im Winter. Die Schwierigkeiten, Informationen dorthin weiterzuleiten, wo sie gebraucht werden, enden nicht an dieser Stelle. Beim Organisieren von Events für die Mieter:innen erzählt Michael von Einladungen, die in der Flut von Emails untergehen, die Studierende tagtäglich erreichen. Es kommt vor, dass bei ihm Anfragen nach Zusammenkünften wie zum Beispiel einem Picknick eingehen, die kurze Zeit zuvor angeboten, aber kaum wahrgenommen wurden.

Wenn solche Zusammenkünfte dann aber stattfinden, sind das Momente, die in Erinnerung bleiben. Es wird von Willkommens-Veranstaltungen zu Semesterbeginn, Waffeln backen und Running Dinner berichtet, bei denen es dann oft vorkommt, dass noch bis in die frühen Morgenstunden geredet und gefeiert wird. Dieser Austausch und das Kennenlernen von neuen Gesichtern, die man im Flur schon manchmal im Vorbeigehen gesehen hat, ist der positivste Aspekt seines Tutor-Daseins, sagt Michael. 

In den Wohnanlagen von Seezeit, wie hier in der Sonnenbühlstraße, veranstalten Tutor:innen wie Michael für Erstis und Internationals Willkommens-Veranstaltungen oder Running Dinners. Foto: Malin Jachnow

Er und das restliche Team an Tutor:innen hat noch Einiges geplant, was das Leben bei Seezeit schöner gestalten soll. So wird beispielsweise seit geraumer Zeit überlegt, eine WG-Tauschbörse einzurichten. Hier sollen Gegenstände abgegeben werden, die bei einem Auszug übrigbleiben und sonst möglicherweise weggeschmissen werden würden. Das wäre vor allem für Internationals sinnvoll, die oft nur für ein Semester nach Konstanz kommen und sich von Topf und Pfanne bis Bettwäsche einen ganzen Hausstand zusammenkaufen müssen. Wenn sie einfach die zurückgelassenen Gebrauchsgegenstände ihrer Vormieter:innen benutzen könnten, wäre das nicht nur praktisch, sondern auch nachhaltig. 

Damit solche Dinge verwirklicht werden können, braucht es eine aktive Mitarbeit aller Beteiligten. Nach einer eher beruhigten Phase in der Corona-Zeit nehmen die Angebote der Tutor:innen von Seezeit  wieder Fahrt auf. Wer sie nicht verpassen möchte, sollte regelmäßig seine E-Mails checken – dort sowie auf den Veranstaltungsflyern finden sich nämlich auch die Kontaktdaten der für eure Wohnanlage zuständigen Tutor:innen. In jedem Fall ist es gut zu wissen, dass man bei Problemen nicht erst ins Seezeit-Büro gehen, sondern einfach bei den Nachbar:innen vorbeischauen kann.

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