Mitfahren, Mitmachen – Wünsche der Studierenden zum Stadtbusverkehr

Wer in Konstanz wohnt, hat sich sicherlich schonmal gewundert: Wer hat entschieden, dass es eine Linie 13/4 UND eine Linie 4/13 gibt? Warum stehen da Fahrkartenautomaten, die nicht funktionieren? Und gibt es die Linie 15 eigentlich wirklich? (Mal im Ernst, nie gesehen) Um Entscheidungen rund um den Konstanzer Stadtbusverkehr kümmern sich die Stadtwerke. Marie-Louis Kindsvater hat sich gefragt, was Studierende verändern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Ich habe mich einmal an der Universität und HTWG bei insgesamt 23 Studierenden durchgefragt. Was wären ihre Anliegen und Wünsche für die Zukunft und was läuft ihrer Meinung nach aktuell schon gut bei den Konstanzer Öffis? Willkommen bei meiner absolut nicht repräsentativen Amateurumfrage. 

Was würdest du dir von einem neuen Fahrplan wünschen?

Die Rückmeldungen waren vielfältig. Aber einige rote Fäden scheinen sich doch durch die Antworten zu ziehen. Hier sind die grob kategorisierten Wünsche, die ich aufschnappen konnte:

Nächtlicher Linienverkehr: Die Nightliner

„Die Nachtschwärmer sollten endlich mal im Studi-Ticket enthalten sein“, wünscht sich Sophia, Psychologiestudentin an der Uni. „Wenn jemand die Nightliner nutzt, dann doch Studierende.“ 

Generell kam oft der Wunsch auf, dass nachts noch mehr Busse fahren. Ich habe mal beispielsweise die Strecke vom Neuwerk (die Anlaufstelle für Berry’s und Co) bis nach Wollmatingen (meine Haltestelle) angegeben. Wenn ich also montags nach dem „Studance“ im Berry’s nach Hause will, bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als zu laufen (gerade im Winter eher ätzend) oder mit dem Rad zu fahren. Konstanz ist nicht ohne Grund als Fahrradstadt bekannt. Normalerweise macht es mir auch nichts aus, das Fahrrad zu nehmen. Allerdings kann ich erfahrungsgemäß sagen, dass sicher die wenigsten nüchtern durch die Gegend fahren. Das hat selbst in meinem Bekanntenkreis schon zu diversen Unfällen geführt. Ergo, ein paar Busse, die nachts die Clubs mit anderen Stadtteilen verbinden, wären auf jeden Fall eine Überlegung wert. 

Gerade in meiner WG kam auch das Anliegen auf, dass die Linie 11 regelmäßiger fahren sollte. Aus dem oberen Bereich Wollmatingens an die Uni zu kommen, würde so deutlich einfacher werden. Es kam durchaus ein paar Mal vor, dass ich den Bus verpasst habe und mit dem Auto zur Uni fahren musste. Wenn ich auf den nächsten Bus gewartet hätte, wäre ich zu spät gekommen. Denn der fährt nur alle 30 Minuten und in den Semesterferien gar nicht. 

Des Weiteren wurde mehrfach nach Kartenzahlung im Bus gefragt. Generell haben offenbar die wenigsten Studenten Bargeld dabei. „Es wäre auch schön, wenn die Tickets in der App auch ohne Internet angezeigt werden könnten.“ So Marco, HTWG-Student. „Da bin ich zu Fuß zur Uni gelaufen, bis ich mal mein Ticket aufgerufen habe.“

Die Probleme der App kamen immer wieder auf. Die Problematik ist zwar wirklich nicht sehr dringlich, allerdings musste ich schon ein bisschen schmunzeln, als mir schon die siebte Person davon erzählt hat, dass die Konstanz-App und Spotify sich nicht vertragen. Anscheinend beschließt die App, dass du keine Musik hören musst, während du den Fahrplan anschaust. 

Foto: Giorgio Krank

Was findest du aktuell gut am Konstanzer Liniennetz?

Am häufigsten wurde die generelle Anbindung genannt. Ein großer Teil von dem, was das Konstanzer Liniennetz wirklich ausmacht, ist die Möglichkeit mit dem Bus an jeden erdenklichen Fleck zu kommen. Zwar nicht um jede Tages- und Nachtzeit, aber mit ein wenig Planungsgeschick ist kein Reiseziel innerhalb der Stadt unmöglich.

Auch die Verbindungen nach Kreuzlingen und Meersburg wurde oft gelobt. Es ist wirklich nicht selbstverständlich, ohne Zusatzkosten die Fähre nutzen zu können. So haben meine Freundinnen und ich schon ab und zu einen Tagesausflug in die Meersburger Altstadt gemacht, ohne auch nur einen Cent zu zahlen (mal abgesehen von dem Essen dort, ziemlich gut, aber teuer). 

Außerdem kam das Thema E-Busse auf, denn seit einer Weile fahren Linie 6 und Linie 14 regulär mit Elektro-Bussen. Und dieses Konzept scheint gut anzukommen. Abgesehen von grundlegenden Vorteilen für den Schadstoffausstoß und Klimaschutz, haben die neuen Flitzer noch einen weiteren Vorteil: Sie sind sehr leise. „Gerne mehr davon“, meint Konstanze, Uni-Studentin, „ich habe eine Haltestelle direkt vor der Tür, aber die E-Busse, die da fahren sind wirklich angenehm leise.“ 

Das „Erlebnis Busfahrt“ kommt bei meiner Umfrage ebenso gut weg. Saubere Busse, pünktliche Abfahrt und freundliche Busfahrer wurden erwähnt. 

Foto: Giorgio Krank

Was nehmen wir also daraus mit?

Das Amt für Nahverkehr und Schülerbeförderung im Landratsamt Konstanz hatte für den Fahrplanwechsel des Regionalverkehrs im Dezember 2023 eine besondere Idee: Eine Bürgerbeteiligung. Für die Fahrplanumstellung Ende des Jahres wurde eine Webseite auf die Beine gestellt. Dort können sich alle interessierten Bewohner:innen des Konstanzer Landkreises bis zum 31. März mit Vorschlägen und Wünschen beteiligen.

Denn je mehr Menschen ihre Anliegen mitteilen, desto eher werden diese Wünsche auch umgesetzt. Und wer weiß, vielleicht folgen die Stadtwerke diesem Beispiel bald auch.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Veröffentlichung des Artikels ist uns leider ein Fehler unterlaufen. Die Bürgerbeteiligung gilt NUR für die gelben REGIONALBUSSE und nicht für die Stadtbusse.

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