Über das Staatsexamen in Corona-Zeiten

Diese verrückte Zeit bietet Anlass für Erfahrungsberichte aller Art.

Etwa eineinhalb Jahre stecken wir nun schon in der Corona-Pandemie und die Sehnsucht nach der Rückkehr zur Normalität ist riesig. Dennoch muss aus journalistische Perspektive festgehalten werden, dass diese verrückte Zeit Anlass bietet für Erfahrungsberichte aller Art. Schließlich läuft Vieles doch ein bisschen anders ab als zuvor. Ich kann in diesem Artikel meine Erfahrungen zur Vorbereitung meines ersten Staatsexamen im Lehramt teilen, ohne dabei Gefahr zu laufen, nicht mehr als ein müdes Gähnen bei den Lesenden hervorzurufen, weil ein Erfahrungsbericht zur Staatsexamensvorbereitung unter normalen Umständen nun wirklich nichts Neues wäre.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel oder in meinem Fall: Nach der Masterprüfung ist vor der mündlichen Abschlussprüfung.

Und nein, ich habe mich nicht vertippt, denn seitdem das Lehramtsstudium auf das Bachelor-/ Mastersystem umgestellt wurde, heißt das Staatsexamen nicht mehr „Staatsexamen“, sondern „mündliche Abschlussprüfung“. Der Clou: Der Ablauf ist genau derselbe, nur wenn man die falschen Fächer wählt – so wie meine Wenigkeit mit Deutsch und Geschichte – muss man auch in beiden Fächern eine solche Prüfung ablegen, während Studierende anderer Fächer wie Mathe oder Sport stattdessen lediglich ein Seminar ablegen müssen oder ganz ohne Abschlussprüfung davonkommen. Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass der Wegfall einer mündlichen Abschlussprüfung wohl durchaus verdient ist, wenn man sich zuvor Jahre lang mit Zahlen und Formeln abgequält hat und Sportstudierende sind sowieso eher von der praktischen Seite. Ich hingegen hatte das Vergnügen nach der Abgabe meiner Masterarbeit (im Fach Geschichte) im Oktober letzten Jahres, direkt mit dem Lernen für die mündliche Abschlussprüfung in Deutsch starten zu dürfen, die für den 6. Dezember angesetzt war. Alles mit der Aussicht auf die mündliche Abschlussprüfung in Geschichte ein paar Monate später.

Gegen den damit verbunden bürokratischen und organisatorischen Aufwand war das Lernen ein echtes Kinderspiel.

Bei den Vorbereitungen zur mündlichen Abschlussprüfung in Deutsch stellte sich heraus, dass mir gar nicht das Lernen, sondern die Organisation der Prüfung am meisten Stress bereitete. Ursprünglich war der Termin auf Ende Oktober/ Anfang November 2020 angesetzt, was auch super hingehauen hätte, hätte ich meine Masterarbeit in Geschichte, wie geplant, im August davor abgeben können. Da aber pünktlich zu Beginn meines Bearbeitungszeitraums im April die Bibliothek und zunächst auch die gesamte Uni – die Gründe sind hinlänglich bekannt – geschlossen wurde, verschob sich die Abgabe meiner Masterarbeit auf den Oktober. Da ich von Texten im Netz à la „Wie lerne ich den gesamten Stoff für ein Staatsexamen in 3 Wochen?“ dann doch nicht ganz überzeugt war, musste ich mich um eine Verschiebung meiner mündlichen Abschlussprüfung in Deutsch bemühen. Gegen den damit verbunden bürokratischen und organisatorischen Aufwand war das Lernen ein echtes Kinderspiel.

Am 6. Dezember 2020 war es dann also so weit:

Mein erstes Staatsexamen, Entschuldigung, meine erste „mündliche Abschlussprüfung“ stand an. Die damalige Coronasituation erlaubte zwar eine Präsenzprüfung, allerdings kamen keine externen Prüfenden vom Regierungspräsidium Baden-Württemberg, wie sonst üblich, was die Situation für mich natürlich etwas entspannter machte. Ich saß allein mit der Dozentin, die mich in Sprachwissenschaft prüfte, und dem Dozenten, der mich in Literaturwissenschaft prüfte, in einem Seminarraum. Streng genommen sogar nur mit der Dozentin der Sprachwissenschaft, der Dozent der Literaturwissenschaft schaltete sich online zu, da er für Forschungsarbeiten in Wien war. Die Fragen, die gestellt wurden, erlaubten mir zum Glück genau die Dinge zusagen, die ich mir vorher zurechtgelegt hatte. Lediglich das Abprüfen meiner vorher eingereichten Leseliste zur Epoche des „Sturm und Drang“ lief nicht so rund, was meine Dozierende aber zum Glück wenig störte. Hochzufrieden verließ ich im Anschluss an die Prüfung die Uni und gönnte mir ein wohlverdientes Bier. Allein das Wissen um die noch ausstehende Abschlussprüfung in Geschichte trübte den Genuss etwas.

Im Nachhinein frage ich mich, warum es mich damals so gestresst hat, die Prüfung nach hinten zu verschieben, da dies eigentlich völlig problemlos funktioniert hat. Wahrscheinlich war dafür mehr das mentale Stresslevel nach gerade erst abgegebener Masterarbeit verantwortlich als der Organisationsprozess selbst. Auch die Coronasituation, die im Winter ja besonders angespannt war, hat auf die Stimmung gedrückt. So konnte ich mich beispielsweise beim Lernen nicht mit der Freude auf das Fußballtraining oder den Barbesuch mit guten Freunden am Abend motivieren. Es gab dadurch weniger Möglichkeiten zur Ablenkung, sodass die Abschlussprüfung in meinem Kopf deutlich präsenter war, als ich das von vorherigen Prüfungen kannte. Am wichtigsten war für mich regelmäßig Sport zu treiben, um den Kopf doch ab und zu freizubekommen, auch wenn das in dieser Zeit meist nur allein ging.

Irgendwann hatte ich das ständige Lernen einfach satt.

Auch meine zweite mündliche Abschlussprüfung in Geschichte, die im Mai diesen Jahres stattfand, habe ich – wenn auch weniger – erfolgreich hinter mich gebracht. Tatsächlich bin ich etwas entspannter an die Sache rangegangen, konnte mich aber insgesamt nicht mehr ganz so zum Lernen motivieren, wie bei der Masterarbeit u.nd meiner mündlichen Abschlussprüfung in Deutsch. Auch die wieder etwas gelockerten Coronamaßnahmen halfen dabei nicht. Irgendwann hatte ich das ständige Lernen einfach satt und war schließlich vor allem erleichtert, die Prüfung bestanden und damit mein Studium abgeschlossen zu haben.

Damit schließe ich auch schon meinen kurzen Bericht zu einem Staatsexamen, das schon deshalb anders war, weil es offiziell nicht Staatsexamen hieß. Ich verbleibe in der Hoffnung, dass meine Erfahrungen zukünftigen Examenskandidat:innen mehr zur Unterhaltung als zur Orientierung dienen, da die Normalität zurück ist.

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