Von kalten Abschieden und kulinarischen Inkarnationen

Workshopwoche mal anders. Der Studiengang Kommunikationsdesign an der HTWG feiert die Rückkehr zur Präsenzlehre und organisiert binnen drei Tagen ein Festmahl inklusive Rahmenprogramm. Wie es die Studierenden geschafft haben, das Event zu planen, mit dem Budget klarzukommen und ihre kreativen Ideen umzusetzen, haben wir für euch herausgefunden.

Als die Workshopwoche beginnt, ahnt noch niemand, welches Mammutprojekt in den darauffolgenden Tagen auf alle zukommen wird. Normalerweise dient dieses Format dazu, an verschiedenen Exkursionen und Experimenten teilzunehmen, um dadurch etwas Praxiserfahrung zu sammeln. Doch dieses Semester haben sich die Dozierenden etwas Besonderes überlegt: Die Herausforderung besteht darin, innerhalb von drei Tagen ein „aufsehenerregendes Festmahl“ für den gesamten Studiengang mit 140 Personen zu organisieren.

Obwohl es viel Arbeit war ist der Tag ein voller Erfolg geworden
Foto: Giorgio Krank

„Ich habe in den digitalen Corona-Semestern gemerkt, dass der Zusammenhalt gesunken ist und sich die Studierenden untereinander kaum noch kennen.“, stellt Jochen Rädeker fest, der als Dekan der Fakultät und Professor für Corporate Design die Idee mitentwickelt hat. Das Ziel ist es, mehr Vernetzung und Austausch zu schaffen und die familiäre Atmosphäre des Studiengangs wiederzubeleben. „Die größte Herausforderung war die Zeit“, so Louise Krank. Sie studiert im 4. Mastersemester Kommunikationsdesign und wirkt maßgeblich an der Gesamtorganisation mit. „Nachdem die Verwirrung im ersten Moment beseitigt war, haben wir es schnell geschafft, unsere Ideen zusammenzubringen und Teams für die Arbeitsaufteilung zu bilden.“ Dazu gehört zum Beispiel das Konzeptionsteam, das für die Koordination der einzelnen Programmpunkte und die Absprachen zwischen den Teams zuständig ist. Weitere Teams beschäftigen sich mit der Gestaltung, Logistik, Technik, Dekoration und dem Kochen. Um das Budget von 800 Euro nicht zu überschreiten, werden Sponsoren angeworben und Essensspenden dankbar angenommen.

Am Freitag um 12 Uhr ist es dann so weit. Als Location dient die Strandbar der HTWG. Ein festlich geschmücktes Bankett zwischen Palmen im Sand, mit Girlanden und Luftballons, Wildblumensträußen in Weinflaschen und eigens designten Plakaten wartet auf seine Gäste. Eine Liveband lässt zum Soundcheck ein paar Töne erklingen, die Stimmung ist gut. Da das Event unter dem Titel „Abschied und Neuaufbruch“ steht, müssen die vergangenen digitalen Semester erst sinnbildlich verabschiedet werden, bevor ein Neuaufbruch gelingen kann. Den Auftakt zum Festmahl bildet ein Trauermarsch zur Fahrradbrücke. Passend dazu sind alle in schwarz gekleidet. Melancholische Musik ertönt. Oben auf der Brücke blicken alle andächtig in den Seerhein und werfen gleichzeitig Blumen ins Wasser, verbunden mit einem Wunsch für die Zukunft. Nach der Trauerzeremonie wird der Rückwärtsgang eingelegt – es geht zurück zur Strandbar.

Die nächste Besonderheit stellt die Sitzordnung an der Tafel dar. Damit sich die Studierenden untereinander neu kennenlernen können, sind die Sitzplätze zufällig festgelegt und wechseln nach jedem der drei Gänge. Spätestens als die schwarze Kleidung durch bunte ausgetauscht wird, schwarze Luftballons zerplatzen und die mit dunklem Papier überklebten Plakate freigelegt werden, wissen alle: Jetzt geht´s richtig los. Die Vorspeise bildet ein Gazpacho mit dem Untertitel „kalter Abschied“. Weiter geht es mit „kulinarischen Inkarnationen“, die sich aus Essensspenden und der Kreativität der Studierenden zusammensetzen. Dazu gehören unter anderem Gemüsesticks, Börek, Couscous, Falafel, Ofengemüse und vieles mehr. Der Nachgang bildet ein Erdbeerdessert. Da die Studierenden das Menü bereits am Vortag privat in WGs und in der Hochschulküche zubereitet haben, wird es kalt serviert. Das vielfältige Geschmackserlebnis wird durch Kreativaufgaben während des Essens ergänzt. Auffallend sind die vielen Farbstifte, die auf den Tischen verteilt sind, und dazu einladen, die weiße Tischdecke in ein buntes Kunstwerk zu verwandeln. Eine weitere Challenge besteht darin, zu überlegen, welches Hobby bestimmte Professor:innen wohl in ihrer Rente ausüben werden. Auch diese Ideen verewigen die Anwesenden graphisch auf der Tischdecke.

Dieses Event ist nichts anderes als ein großes Design-Projekt.

Jochen Rädeker, Dekan der Fakultät und Professor für Corporate Design

„Dieses Event ist nichts anderes als ein großes Design-Projekt.“, bemerkt Jochen Rädeker. Es wird nicht nur die Kreativität, sondern auch das Organisationstalent und die Teamfähigkeit der Studierenden unter Beweis gestellt. Dass die Planung und die Umsetzung bei einer Gruppe von 140 Personen so reibungslos funktionieren, sei etwas Besonderes. Der Studiengang zeichnet sich generell durch eine gute Zusammenarbeit aus. „Während des Grundstudiums in den ersten drei Semestern ist man meistens in seinem Jahrgang zusammen. Im daran anschließenden Hauptstudium kann man eigene Schwerpunkte und Kurse wählen. Dadurch mischen sich die Semester und man lernt mehr Leute kennen.“, erklärt Louise Krank.

Foto: Giorgio Krank

Der Teamgeist ist auch bei der Organisation des Festmahls zu spüren. „Es hat sich gezeigt, dass sowohl die Kommunikation als auch die Gestaltung und die Umsetzung gut funktioniert haben. Das ist im Endeffekt auch das, was wir als zukünftige Kommunikationsdesigner:innen können sollten.“, hält Luise Brinkmann fest. Sie studiert im 5. Semester und ist Teil des Konzeptionsteams. Kurz darauf fügt sie hinzu: „An diesem Event merkt man, dass wir uns nicht nur im digitalen Raum bewegen, sondern dass auch analoge Aspekte zum Studium gehören.“

Das Event ist ein voller Erfolg. Die Studierenden haben es geschafft, zusammen innerhalb von drei Tagen ein Festmahl mit kreativem Rahmenprogramm in idyllischen Ambiente auf die Beine zustellen.

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