Was geht am Brückenkopf Nord?

„Ein neues, einladendes Stadt-Entree” – so heißt es auf der Webseite der Stadt Konstanz soll der Brückenkopf Nord werden. In der Tat rollen die Bagger nördlich der Schänzlebrücke und auch der Straßenverkehr ist durch mehrere Baustellen betroffen. Was wird hier gebaut und wie soll dieser neue Stadteingang aussehen? Ein Artikel von Paul Stephan.

Wer gerade am Seerhein spazieren geht und sich am Bodenseeforum vorbei in Richtung Brückenkopf Nord der Schänzlebrücke wagt, der muss mitunter einigen Baustellen ausweichen, die gerade Fuß-, Rad- und Autoverkehr behindern. Entstehen soll hier ein neuer, urbaner Stadteingang. Was heißt das genau? Campuls hat sich das etwas genauer angeschaut.

Panorama Konstanz

Yadegar Asisi hat große Pläne mit Konstanz. Der 1955 in Wien geborene und dann in der DDR aufgewachsene Künstler ist in ganz Deutschland bekannt für seine Panoramen, die eine Stadt häufig in eine andere Zeit versetzen. So sieht man zum Beispiel im „Panometer” in Dresden auf 360 Grad die baroke Stadt auf einer 27 Meter hohen Leinwand. Auch in Berlin, Leipzig, und Pforzheim, sowie in vielen anderen Städten findet man solche gewaltigen Ausstellungen des Künstlers.

In Konstanz soll es ebenfalls eine solche Ausstellung geben. Asisi beschreibt auf seiner Webseite die Idee, Konstanz in die Zeit von 1414 bis 1418 zurückzuversetzen – die Zeit des Konstanzer Konzils. In dem geplanten Panorama sollen verschiedene Ereignisse gezeigt werden. So sollen sowohl die Predigt des Reformators Jan Hus, als auch seine Verbrennung dort Platz finden.

Die Baurarbeiten zum Panorama laufen bereits, viel zu sehen ist außer Bauzäunen aber noch nicht. Für den Bau verantwortlich ist das Berliner Architekturbüro “Sauerbruch Hutton”, das auch für die neue Fassade des Telekom Hochhauses am Zähringerplatz zuständig ist. Geplant ist ein 50 Meter hoher Rundturm, dessen Durchmesser über 30 Meter groß sein soll. Neben einem 600 Quadratmeter großen Ausstellungsbereich soll auch ein weitläufiges Gastronomieangebot beherbergt werden.[1] Der Standort des Brückenkopfs Nord wird wegen seiner verkehrsgünstigen Lage und der Nähe zum Bodenseeforum als besonders wertvoll erachtet.

Die Veranstalter erhoffen sich etwa 200.000 Besucher:innen jährlich – für eine Stadt wie Konstanz, die keine 100.000 Einwohner:innen zählt, eine Menge. Die Eröffnung des „Panorama Konstanz” ist für 2024 geplant.[2]

ZOB Konstanz

Weniger Autoverkehr für die Altstadt: Dieses Thema ist ein Dauerbrenner im lokalpolitischen Diskurs der Stadt Konstanz. Mit der Motivation, diesem Ziel näher zukommen, begann im Januar dieses Jahres der Bau eines zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB) nördlich der Schänzlebrücke. 30 bis 35 Fernbusse sollen hier täglich verkehren und somit den Döbeleparkplatz ablösen. Auf einem Areal von 5.500 Quadrametern werden 21 Reisebusstellplätze entstehen.

Ergänzt werden soll der ZOB Konstanz durch ein öffentliches Parkhaus mit circa 700 Pkw-Stellplätzen, sowie einem Parkhaus für Fahrräder mit Ladestationen für E-Bikes. Hier soll es möglich sein, vom Auto auf das Fahrrad umsteigen zu können, um so einige Pkws aus der Altstadt herauszuhalten. Die konrad-Mietfahrradstation soll ebenfalls erhalten bleiben. Das Projekt, das mit etwa 600.000 Euro durch das Land Baden-Württenberg gefördert wurde[3], soll bis Ende dieses Jahres fertiggestellt werden.

Auf diesem Areal soll das Panorama Konstanz fertig gestellt werden. Foto: Giorgio Krank

Brückenquartier

Noch nicht im Bau, aber in fortgeschrittener Planung, ist das Brückenquartier – ein urbanes Bauprojekt, das Raum für Wohnen, Arbeiten und Freizeit schaffen soll. Entstehen werden drei Baublöcke. Zwischen ihnen bildet sich ein Freiraum, der sich in Richtung Seerhein öffnet. Grundlage für einen Planungsrechtbebauungsplan ist dabei der Siegerentwurf eines Ausschreibes aus dem Jahr 2019, den das Architekturbüro Schaudt aus Konstanz gewonnen hat. In diesem Entwurf sind 50 Prozent Gewerbeflächen, 25 Prozent Einzelhandels- und Dienstleistungsflächen, sowie 25 Prozent Wohnungen vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung ist noch nicht geregelt – in einer Grafik auf der Webseite der Architekten[4] erhält man schnell einen Eindruck, was möglich sein könnte: Hier sieht man ein „Kunsthaus Konstanz”, sowie ein weiteres Gebäude mit der Aufschrift „Scala”. Der Bau eines Kinos wird tatsächlich erwägt.

Beschlossen werden soll das Bebauungsrecht der etwa 80.000 Quadratmeter, nachdem der ZOB Konstanz fertig gebaut wurde, also wahrscheinlich im Frühjahr 2024.

Fazit

Das Vorhaben wird nicht nur positiv aufgenommen. Scharfe Kritik erhält das Projekt etwa durch Luise Kehr in einem Artikel im “Seemoz” vom 27. Oktober 2022[5], in der sie den Bau weiterer Parkplätze unter dem Gesichtspunkt, die Altstadt autofrei zu halten, als halbherzig ansieht, zumal durch das Panometer zusätzlich weitere Autos angezogen werden.

Diese Kritik ist nachvollziehbar. Gleichzeitig ist es gut, dass sich die Stadt wandelt. Zum jetztigen Zeitpunkt ist die Fläche unter und neben dem Brückenkopf Nord völlig unterentwickelt – durch die Bauvorhaben wird das Gebiet deutlich aufgewertet. Der Erfolg der Panoramas von Asisi verspricht die Stadt attraktiver zu machen, der ZOB Konstanz professionalisiert den derzeitigen Standort des Döbele Parkplatzes. Welchen Einfluss die Projekte am Ende tatsächlich auf das Standbild haben werden und ob es ihnen tatsächlich gelingt, den Autoverkehr in der Altstadt zu reduzieren, wird sich zeigen.


[1]Für weitere Infos siehe auch diese Ankündigung der Stadt Konstanz von 2019: konstanz.de/start/service/yadegar+asisi+stellt+sein+panorama-projekt+in+konstanz+vor.html

[2]Laut Website der Stadt Konstanz wird auf https://www.asisi-international.com/konstanz über alle weiteren Schritte informiert werden. Auf dieser Website findet man jedoch ausschließlich die Information, dass das Projekt in Entwicklungsphase sei und über weitere Schritte informiert werden würde.

[3]https://www.konstanz.de/16774_19000_69695_256426_377112_376991

[4]https://www.schaudt-architekten.de/portfolio/brueckenkopf-konstanz/

[5]https://www.seemoz.de/lokal_regional/brueckenplatz-nord-verkehrswende-geht-anders/

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