Einem -Ismus auf der Spur: Kosmopolitismus

„Also in Australien, da läuft das Leben aber ganz anders ab…“, „In der Demokratischen Republik Kongo ist das Leben so schön. Die Menschen, sie laufen den ganzen Tag lang barfuß. Sogar, wenn es regnet. Das nenne ich mal eine naturverbundene Lebensweise.“ Das sind Sätze, die man als angehende/-r Pseudo-Kosmopolit_in im Schlaf beherrschen und jedem/-r, der/die sie hören möchte, oder auch nicht, an den Kopf werfen sollte. Des Weiteren empfiehlt es sich, Kleidung aus diversen Ländern am Leib zu tragen und das gesamte Umfeld wissen zu lassen, dass der Rock auf einer Indienreise gekauft wurde und die Tasche einem von einer guten Freundin in Bolivien geschenkt wurde. „Das Make-up stammt aus einem Luxusgeschäft in Paris und das Haarband – dazu gibt es ebenfalls eine großartige Geschichte…“. Doch dieses Verhalten zeugt nicht von wahrem Kosmopolitismus.

Wie sieht es denn mit Manager_innen aus? Viele von ihnen fliegen tagtäglich durch die Welt und sind fast jede Woche an einem anderen Ort. Da muss man die Welt doch in all ihren Facetten kennen und lieben lernen. Oder etwa nicht? Wenn man jedoch immer in denselben Konferenzräumen sitzt, in den immer gleichen Luxushotels übernachtet, immer dasselbe mit den Kolleg_innen essen geht und bei den Meetings immer über dieselben Dinge spricht, dann ist man überall auf der Welt zu Hause. Nur leider ist die Welt dann auch überall genau gleich, weshalb man von vorneherein an einem Ort bleiben könnte.

Carrie Bradshaw aus der Kultserie „Sex and the City“ liebt es, einen Cosmopolitan zu trinken und dazu durch die gleichnamige Zeitschrift zu blättern. Wird sie dadurch zur Kosmopolitin? Auch, wenn dagegen ganz und gar nichts einzuwenden ist, bereist man die Welt nicht durch die Lektüre von Hochglanzzeitungen und einem gediegenen Rausch.

Und doch gibt es sie, die wahren Kosmopolit_innen. Sie bereisen die ganze Welt, passen sich und ihre Arbeit der Umgebung und Kultur an und treten in starke Interaktion mit den Ortsansässigen. Sie arbeiten mit ihnen zusammen und leben mit ihnen. Diese Menschen lernen andere Kulturen und Länder wirklich kennen und können sich Kosmopolit_innen nennen. Von wem ist hier die Rede? Von Monteur_innen auf der Baustelle!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Related Posts
Lesen

Buchvorstellung: „Vom Ende der Einsamkeit“

Mit der Corona-Pandemie sind viele junge Menschen mit dem Problem der Einsamkeit konfrontiert worden. Tobt ein Krieg in Europa, so kann dieses Gefühl noch intensiver empfunden werden. Umso aktueller erscheint da der Titel von Benedict Wells' Roman „Vom Ende der Einsamkeit“. Ob das Buch das Versprechen auch halten kann, untersucht Paul Stephan.
Lesen

Warum Awareness mehr als nur Achtsamkeit ist: Die Initiative Nachtlicht

2023 stand der Wunsch im Raum sich aktivistisch zu engagieren. Nur ein Problem gab es für Cilia und Samira: Keine Gruppe in Konstanz verkörperte den Ansatz, den die beiden frisch aus dem Auslandssemester zurückgekehrten Studentinnen wünschten. Man wünschte sich einen aktivistischen Ansatz, der „recht praktisch ist und recht schnell Leuten etwas zurückgibt“ erzählt Cilia.
Lesen

Das geldige Weihnachten

Weihnachten nervt. Frühestens, wenn die Schoko-Nikoläuse schon bei sommerlichen 30 Grad im Supermarkt stehen und Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern dröhnt. Eigentlich wollte man sich doch nur ein kaltes Eis kaufen. Weihnachten nervt, wenn zum zehntausendsten Mal „Kevin allein zu Haus“ im Fernsehen läuft, beim Schrottwichteln wirklich nur kompletter Müll geschenkt wird und der Weihnachtsbaum doch nicht in die Wohnung passt. Und spätestens, wenn die Familie sich an Heiligabend anschweigt, weil mal wieder die falschen Geschenke gekauft wurden. Oder noch schlimmer – ein gequältes Lachen hervorbringt und vorspielt, eine amüsante Zeit zu verbringen.