Regional, bunt und gut besucht – der Konstanzer Adventsmarkt 2022

„Feliz Navidad“, „Stille Nacht“ und „All I want for Christmas is you“ sind dieses Jahr wieder in voller Lautstärke auf der Konstanzer Marktstätte und im Stadtgarten zu vernehmen. Der Konstanzer Weihnachtsmarkt ist zurück. Er ist groß – man kann schon einen netten Spaziergang vom einen zum anderen Ende unternehmen – und vielseitig. In diesem Artikel gibt Euch Serafina Strömsdörfer einen kleinen in Worte verpackten Eindruck vom diesjährigen Weihnachtsmarkt am See und beantwortet Fragen über diesen, die ihr Euch vielleicht schon oft oder noch nie gestellt habt.

Wann kommt der Weihnachtsmarkt?

Der Konstanzer Weihnachtsmarkt findet bis zum 22. Dezember dieses Jahres statt. Es bleibt also noch genug Zeit, die Atmosphäre zu erleben und sich die verschiedenen Stände anzusehen. Die Planung des großen Spektakels erfolgt fortlaufend während des gesamten Jahres. Frank Schuhwerk, einer der Vorstände des Unternehmens „Event Promotions“, das in diesem Jahr erstmalig zusammen mit der „Weihnachtsmarkt am See GbR“ Organisator des Weihnachtsmarktes ist, erklärt, dass die Planung etwas ab Oktober in die „heiße Phase“ gehe. In diesem Abschnitt der Detailplanungen werden konkrete Pläne gemacht. Letztere beinhalten zum Beispiel die finale Erstellung von Lage-, Flucht- und Rettungsplänen sowie Sperrstellenplänen, die Koordinierung der Rettungsdienste, die Beantragung der Genehmigung zum Alkoholausschank und die Bewerbung auf Social Media.

V2  x R – (vegetarisch + vegan) x regional

Die Auswahl der Stände für den Adventsmarkt erfolgt laut, nach folgenden Gesichtspunkten: „1. Lokale Partner:innen, 2. Gutes Sortiment, 3. Bestandspartner:innen“. Bestandspartner:in meint hier, dass in der Vergangenheit bereits erfolgreich mit Standbetreibenden oder Unternehmen zusammengearbeitet wurde und sich diese Kooperation bewährt hat. Demnach sind unter den Buden am Hafen und auf der Marktstätte auch durchaus „alte Hasen“ vorzufinden, die traditionsbedingt jedes Jahr auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt anzutreffen sind.

Von Postkarten aus mit Pflanzensamen bestücktem Papier, die man in die Erde legen und so Kamillen-Pflänzchen, Calendula und co. ziehen kann, bis zu Poffertjes, den Mini-Pfannkuchen aus den Niederlanden, gibt es viel zu sehen und zu entdecken.

Regionalität wird hier groß geschrieben. Etwa 80 Prozent der Hütten werden durch lokale Partner:innen betrieben. Auch viele Leckereien und Getränke kommen aus dem Bodenseeraum. So verkauft zum Beispiel die Glühwein-Bar „Rote Kiste“ auf der Marktstätte neben Bio-Punsch aus der Streuobstmosterei „Stahringer“ aus Stahringen bei Radolfzell auch Fair-Trade Glühwein.

Die “Rote Kiste” bietet neben Bio-Punsch auch Fair-Trade Glühwein. Foto: Giorgio Krank

Auch, wer auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt etwas Leckeres zu essen genießen will, kommt wortwörtlich auf seine/ihre Kosten. Die Preise für Speis und Trank sind hoch, dennoch ist ein breites Angebot, auch veganer oder vegetarischer Gerichte, vorzufinden. In einem kleinen Lädchen links von der Bahnhofsunterführung in Richtung See gibt es vegane Burger. Regionalität schließt Multi-Kulti-Kost jedoch nicht aus. Auch Focaccia, Langos, französischer Nougat, Datteln in verschiedensten Variationen, Glühwein auf italienische Art und viele weitere Schmankerl können probiert werden. Weihnachtsmarkt heißt hier also längst nicht mehr: „Ist mir Wurst, wenn du kein Schnitzelbrötchen willst! Trink deinen Glühwein und sei zufrieden“.

Facts & Figures

Der Weihnachtsmarkt am See ist…

  • Laut „GEO“ Teil der „Top 10 der nostalgischsten Weihnachtsmärkte Deutschlands“ 
  • Der zweitgrößter Weihnachtsmarkt im „Länd“ (Baden-Württemberg)
  • Mit 154 Ständen (von denen der Anteil von Handels- zu Gastronomieständen ca. 75:25 Prozent beträgt) äußerst vielseitig
  • Mit pro Saison in Summe um die 500.000 Besuchenden äußerst beliebt
  • Ein Ort des Glühweins. „Der Rote“ ist hier, gefolgt vom weißen Glühwein und dem alkoholfreien Punsch, das beliebteste Getränk unter den Besuchenden.

Standhaft bleiben

Nachdem der Weihnachtsmarkt 2021 nach nur wenigen Tagen des Betriebs aufgrund der zu hohen Corona-Inzidenz abgebrochen werden musste, können die Standbetreibenden in diesem Jahr wieder ihr Angebot auffahren und wirtschaften. Über den Umsatz des gesamten Weihnachtsmarktes haben wir von den Veranstaltenden leider keine Angabe bekommen. Aber sicherlich ist der Gewinn, trotz der hohen Stromkosten für Beleuchtung und des Betriebs von Glühwein-Heizern und Grillflächen, eine beachtliche Summe. 

Unterm Jahr arbeiten viele Buden-Besitzer:innen entweder in der eigenen Gastronomie, auf Saisonbetrieben wie zum Beispiel Campingplätzen oder sind auf anderen Märkten, zum Beispiel für Kunsthandwerk, anzutreffen.

Laut Frank Schuhwerk werden Stände nur dann abgelehnt, wenn „nach Prüfung der Bewerbung eine Teilnahme nicht mit ihren Vorstellungen in Sachen Qualität korrespondiere.“ Die Standgebühren sind dabei gestaffelt in Barbetriebe mit Alkoholausschank, Gastronomie, Handel und Kunsthandwerk und variieren dementsprechend.

Nach der Corona-Pandemie können die Stände dieses Jahr ihr Angebot wieder auffahren. Foto: Giorgio Krank

Was auf die Ohren

Neben einem entspannten Nachmittagsspaziergang, einem abendlichen Bummel oder Glühwein-Zechen bis der Ausschank schließt, könnt Ihr Euch auch an einigen netten Konzerten erfreuen. Bis zum Ende des Adventsmarktes treten neben der „Kirschenband“ und den „Caribbean Steelband Kolibris“ noch weitere aus der Region stammende Ensembles auf.

Konkrete Termine können nach ein wenig Scrollen der Tabelle auf folgender Seite entnommen werden: https://weihnachtsmarkt-am-see.de

Alles in allem lässt sich sagen, dass der Weihnachtsmarkt, trotz der vielen Menschen, der leuchtenden Bäume und des Kitsches im Zeichen des Konsums, dennoch mindestens einen Besuch wert ist. Letztendlich ist der Advent, egal, ob Ihr christlich geprägt seid, oder nicht, eine Zeit, in der Ihr Euch einkuscheln, Euch selbst mit feinen Leckereien verwöhnen und mit Menschen, die Euch am Herzen liegen, schöne Momente voller Beschwingtheit, Tiefe oder zur Abwechslung auch mal Ruhe erleben dürft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Posts
Lesen

Kulturbetriebe und Corona: Torben Nuding von der „Kantine Konstanz“ im Gespräch über die Krise, Zusammenhalt und neue Chancen

Die „Kantine“ erfreut sich normalerweise großer Beliebtheit. Jetzt in Corona-Zeiten blieb der Club leer. Seit ein paar Tagen wurde jedoch wieder ein eingeschränkter Betrieb aufgenommen: Der Mittagstisch, der die Möglichkeit bietet, sich ein leckeres Mittagessen mitzunehmen oder vor Ort zu speisen. Laut Herrn Nuding wird aktuell die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erzielt. Dies sei aber schon mehr als man in solchen schweren Zeiten erwarten könne.
Lesen

“Zwei Mädchen” – Ein Kurzfilm aus Konstanz

Im September wurde in Konstanz der Kurzfilm "Zwei Mädchen" gedreht. Er wird voraussichtlich im Frühjahr erscheinen und wurde mit Mitteln der Kulturförderung von Seezeit unterstützt. Wir haben uns mit der Hauptdarstellerin Mila Schiller und dem Drehbuchautor Stefan Gritsch getroffen. Von Paul Stephan.
Lesen

Rückblick:”Ich bin nicht der geilste Typ der Welt.”: Ein Interview mit dem Kantine-Mitbegründer Cornelius Hanßmann

Mit Kantine und Klimperkasten ist Cornelius Hanßmann eine der prägenden Figuren der Konstanzer Szenegastronomie und des studentischen Nachtlebens. 2006 gründete er gemeinsam mit seinen Freunden Rainer Henze und Sebastian Roller die Kantine Konstanz GmbH und ist nun schon seit zehn Jahren als deren Geschäftsführer tätig.
Lesen

Beziehung mit Hindernissen: Zur Grenzgeschichte von Konstanz und Kreuzlingen

Gerade mal einige Wochen ist es her, da prägte ein Zaun das Konstanzer Stadtbild. Die politischen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie ließen den Behörden keine andere Wahl als den vorrübergehenden Wiederaufbau eines deutsch-schweizerischen Grenzzauns. Besonders hier am Rheinausfluss des Bodensees schien dies nicht mehr vorstellbar. Seit 2006 erinnern lediglich Kunstwerke daran, dass der Übergang von Deutschland und der Schweiz früher kein fließender war. „Konstanz und Kreuzlingen“, so der Konstanzer Oberbürgermeister Ulrich Burchardt, „sind eigentlich eine Stadt.“ Ein Blick in die Geschichte zeigt: Die Liaison der deutsch-schweizer Nachbar_innen hat schon ganz andere Probleme überstanden.