Computer

Blinder Fleck Bildung? Neues Gerätearrangement in der Bib

An der Universität, genauer: In der Mediothek befindet sich seit November 2017 ein Arbeitsplatz für Studierende mit Sehbehinderung. Solche Einrichtungen sind dringend notwendig, um Menschen mit Behinderung die Teilhabe am universitären Leben zu ermöglichen.

Das Lesen in jeglicher Form – ob digital oder analog – spielt, wie jeder Studierende weiß, eine extrem große Rolle. Unterstützende oder den Sehsinn ersetzende Maßnahmen entscheiden also darüber, ob Menschen mit einer Sehbehinderung studieren können oder nicht.

Das Gerätearrangement für mehr Teilhabe an Bildung.

Doch auch der ‘Ottonormalverbraucher’ sollte informiert sein über die Möglichkeiten, die die speziellen Arbeitsplätze in der Mediothek bieten. Denn laut geändertem Teilhabegesetz vom Februar 2018, gibt es einen interessanten Twist in der Definition dessen, was ein ‚Mensch mit Behinderung’ überhaupt sei:

Menschen mit Behinderung sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können.

Diese Barrieren sind es, die die Universitäten des Landes abschaffen müssen. Hierfür sind die Anschaffung des Bildschirmlesegerät VISIO 500 und des PCs mit Vergrößerungssoftware, Sprachausgabe und Braillezeilensteuerung ein wichtiger Schritt.

So unscheinbar sie im Eingangsbereich der Mediothek daherkommen, so klug sind die dahinterstehenden Mechanismen.

Der neue Arbeitsplatz für Studierende mit Sehbehinderung in der Bib.

Mit dem VISIO 500 können Druckergebnisse individuell vergrößert werden. Der Bildschirm und die Kamera können frei bewegt werden, um Studierenden mit Sehbehinderungen das Lesen von kleinem Text zu erleichtern. Auch Farbschwächen werden durch die Darstellung in Vollfarbe und sieben Falschfarben berücksichtigt. HD Kamera, 33 Zoll Bildschirm, kontinuierlicher, abschaltbarer Autofokus – das Gerät lässt sich wie ein neuer Laptop beschreiben. Im folgenden Video sind einige der Funktionen zu sehen: https://spark.adobe.com/video/IxwtzfFfTR9r6/embed?lazyLoading=true

Mit dem dazugehörige PC können Online-Texte vergrößert oder vorgelesen werden lassen. Während ersteres ziemlich gut funktioniert, so ist die Tonausgabe, besonders bei Websites, noch weit von einem Turingtest entfernt und erinnert eher an die erste Auflage von Siri.

Das Besondere an diesem Arrangement sei, dass alle drei Funktionen “Vergrößerung”, “Sprachausgabe” und “Brailleausgabe” in einer gemeinsamen Software angeboten werden können und es keinen Bruch gibt, wenn zum Beispiel zwischen Vergrößerung und Sprachausgabe gewechselt wird, so die Verantwortliche der Mediothek, Isabell Leibing.

Besonders die Brailleausgabe übt eine Faszination auf Nicht-Blinde aus, die diese Sprache nicht beherrschen. Wie so eine Braillezeile funktioniert, seht Ihr im folgenden Video: https://spark.adobe.com/video/Ql1kCS8LIsj2h/embed?lazyLoading=true

Dass die Uni nun über ein solches Gerätepaket verfügt, hat wohl größtenteils mit der Grundsanierung der Bib zu tun. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurde das veraltete Gerät abgeschafft. Simone Stumpf ist eine Studierende mit Sehbehinderung. Sie fragten die Planer der sanierten Bibliothek, welches Gerät angeschafft werden sollte.

Simone Stumpf sagt über die neue Ausstattung:

Es ist wirklich eine Erleichterung mit dem neuen Gerät. Ich muss mein mobiles Lesegerät nun nicht mehr so viel durch die Gegend tragen und es ist eine enorme Erleichterung zu wissen, dass es da ein fixes Gerät gibt, an dem man arbeiten und auch mal etwas nachschlagen kann. Der Ort ist auch sehr gut, weil man nicht durch die gesamte Bibliothek laufen muss, sondern zentral am Eingang einen Arbeitsplatz hat. Auch das Vorleseprogramm hilft sehr weiter.

Der PC mit Vergrößerungsmöglichkeit, Sprachausgabe, Braillezeile und spezieller Tastatur.

Die Uni-Bib hat mit dieser Anschaffung einen wichtigen nächsten Schritt in Richtung der integrativen Teilhabe an Bildung gemacht. Einen, der aber auch immer selbstverständlicher wird und schlicht nicht mehr zu ignorieren ist. So steht im bereits angeführten Bundesteilhabegesetz ein neuer Abschnitt zum Thema:

Neu in einer eigenen Leistungsgruppe sind die Leistungen zur Teilhabe an Bildung. […] Leistungen zur Teilhabe an Bildung sollen Menschen mit Behinderung einen gleichberechtigten Zugang zum allgemeinen Bildungssystem gewährleisten. Wie schon bei den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft handelt es sich dabei um kommunikative, technische oder andere Hilfsmittel.

So heißt es kontinuierlich mehr Öffentlichkeit für dieses Thema zu schaffen und die Universität zu weiteren Maßnahmen zu bewegen. Wichtiger als eine stylische VITRA-Designer-Einrichtung sind gleiche Teilhabebedingungen für jedermann, bzw. -frau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Posts
Uni Konstanz
Lesen

Die Sache mit dem Denkmalschutz

Seit drei Jahren ist der Windfang, also die Außentür, vor dem SSZ kaputt. Wann er repariert wird, ist derzeit unklar. Aber warum passiert hier nichts? Schuld sind immense Kosten, die auch aus Gründen des Denkmalschutzes entstehen.
Lesen

Ist das Campus Festival noch studentisch?

Vom 28.05. bis 02.06. haben die Studierenden der Universität Konstanz die Möglichkeit, zu entscheiden, ob das Campus-Festival weiterhin mit 40.000 Euro jährlich von der Studierendenvertretung unterstützt werden soll. Uns haben einige Berichte erreicht, wonach es auf dem Festival zu Problemen gekommen ist. Wie diese Probleme genau aussehen, und ob das Campus-Festival noch studentisch ist, wollen wir nachfolgend genauer beleuchten.
Lesen

Was tun, wenn die Vorlesung online ist?

Wer unmittelbar nach einer Präsenzvorlesung an einer Online-Veranstaltung teilnehmen möchte, wird häufig ernüchtert. Viele Seminarräume sind belegt und auch in der Bibliothek gestaltet sich die Platzsuche als schwierig. Über das aktuelle Problem und mögliche Lösungsansätze berichtet Paul Stephan.