Wohnheimküche

Und plötzlich ist es leer – Wohnheime in Zeiten von Corona

In den Wohnheime von Seezeit haben Studierende bisher eher wenig Veränderung erfahren, schließlich sind die zusammenlebenden Studierenden in den verschiedenen WG-Größen ein Haushalt. Diese dürfen sich somit auch zusammen in der WG-Küche aufhalten.

Schon Ende Februar verschickte Seezeit eine Informationsmail zu Covid-19 an seine Bewohner und Bewohnerinnen. Hierbei wurden neue sowie alte Mieter und Mieterinnen bei einer Rückkehr oder Anreise aus dem Ausland oder Kontakt mit Infizierten gebeten, erst ins Wohnheim zurückzukehren, nachdem, beispielsweise durch eine gesundheitliche Untersuchung oder dem Einhalten der 14-tägigen Quarantänezeit, eine Infektion auszuschließen ist.

Geplant waren zudem Desinfektionsmittel an den Eingängen der Wohnheime. Leider kam es jedoch deutschlandweit zu Lieferengpässen; der Markt war wochenlang wie leer gefegt. Eine weitere Veränderung erlebten die Bewohner und Bewohnerinnen der Seezeit-Wohnheime. Der Studierendenausweiß, der auch als Bezahlmittel für die Benutzung der Waschmaschinen genutzt wird, wird nun nicht, wie zuvor, an der HTWG oder Uni aufgeladen, sondern an den Gruppenhäusern Sonnenbühl Ost. Bei Einhaltung von Hygiene und Abstandsregeln appelliert Seezeit an die Verantwortung jedes und jeder Einzelnen.

Anders gehen die beiden christlichen Studierendenwohnheime Albert-Magnus-Haus (AMH) und Thomas Blarer Haus (TBH) mit der Situation um. In beiden Häusern, so betont Wohnheimsleiter Sebastian Scholz, wird Gemeinschaft explizit gefördert, dazu gehören Gemeinschaftsräume und diverse Veranstaltungen. Die Einschränkungen durch Corona sind so ein starker Eingriff in den normalen Alltag der beiden Häuser. Schon zu Beginn der Entwicklungen führte Scholz ein Krisenmanagement ein, das er an den sich in schnellen Veränderungen befindenden Gesetzen und Empfehlungen der Politik und der Erzdiözese Freiburg anpasst.

Während normalen Zeiten teilen sich 28 Bewohner und Bewohnerinnen eines Stockwerks eine Küche sowie im ABH Sanitäranlagen. Jetzt dürfen sich nur drei Studierende gleichzeitig in der Küche aufhalten und müssen auf den Mindestabstand von 1,5 Metern achten. In allen Küchen und Aufenthaltsräumen wird Desinfektionsmittel vom Haus gestellt und durch die hauseigenen Reinigungskräfte täglich Flächendesinfektion durchgeführt. Bisher gab es noch keinen Corona-Fall in den beiden Wohnhäusern, aber Studierende, die in Quarantäne gingen.

Für diese gilt: das Wohnheimzimmer darf nicht verlassen werden, 16 qm, 14 Tage lang. Dann hält die Gemeinschaft des Hauses zusammen, kocht für einander und stellt die Mahlzeiten vor die Tür. Speziell ist auch das Personal vor Ort, dass als direkter Ansprechpartner bei Sorgen oder Fragen fungiert. Scholz ist es wichtig, seine Bewohner und Bewohnerinnen in regelmäßigen Newslettern Mut zu machen und zur Solidarität aufzurufen. Er beobachtet eine Bewusstseinsentwicklung über die letzten Wochen, die meisten Studierenden verstehen inzwischen den Ernst der Lage.

Ein Rückkehrverbot aus den Semesterferien oder dem Osterbesuch wurde jedoch nicht ausgesprochen. Seit den Feiertagen ist es trotzdem relativ leer in den beiden Häusern. Inzwischen führte Scholz auch schon die ersten Lockerungen durch: Hauseigene Kajake und Fahrräder können zu zweit und mit Abstand ausgeliehen werden. Eine weitere Besonderheit: es sind schon seit Beginn der Situation keine Besucher mehr erlaubt, auch keine Partner oder Eltern. Das fiele manchen Studierenden schwer, so Scholz, doch die meisten sind einsichtig. Aus- und Einzüge müssen Bewohner und Bewohnerinnen alleine durchführen.

Auch in den Wohnheimen von Seezeit haben sich Auszüge verändert. Eine Übergabe an den jeweiligen Hausmeister erfolgt nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Stattdessen wird der Schlüssel im Zimmer oder dem Appartment hinterlassen und der Hausmeister prüft die Wohnung später. Auch mein Abschied aus dem Wohnheim fühlte sich komisch an. Kein letztes Gespräch mit dem Hausmeister und keine Abschiedsparty.

Die Wohnheime bemühen sich offensichtlich, so wenig Risiko wie möglich einzugehen, und hoffen auf die Eigenverantwortung ihrer Mieter und Mieterinnen. Mein Erlebnis kann nur noch hinzufügen, dass auch die Wohnheime in Zeiten von Corona Verständnis für die Situation der Bewohner und Bewohnerinnen aufbringen, die zumeist noch stärker unter den Folgen der Krise zu leiden haben.

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