Uli Burchardt

Konstanz als ‘Studierendenstadt’: Die Stadt wäre eine andere, wenn es die Hochschule nicht gäbe

Ein Rückblick eines Artikels aus der Sommersemester-Ausgabe 2017. Oberbürgermeister Ulrich „Uli“ Burchardt und der stellvertretende Vorsitzende des Asta, Marco Radojevic, diskutieren im Gespräch mit der CAMPULS, was Konstanz seinen Studierenden bietet. Wo gibt es Handlungsbedarf, wohin strebt die Stadt?

Campuls: “Ist Konstanz aus Ihrer Sicht eine ‘Studierendenstadt’?”

Burchardt: “Absolut. Konstanz hat rund 65 000 Wahlberechtigte und etwa 17 000 Studierende. Das heißt, fast ein Drittel der Wahlberechtigten sind Studierende.”

C: “Und das allein zeichnet für Sie eine ‘Studierendenstadt’ aus?”

B: “Nein, nicht das allein. Aber es zeigt: Das muss eine ‘Studierendenstadt’ sein. Was zeichnet eine Studentenstadt aus? Nun, dass ständig viele junge Leute dazukommen, aber auch gehen. Dass also eine hohe Fluktuation besteht. Eine interessante Zahl, die ich im Kopf habe sind die 50 Prozent der Konstanzer Bevölkerung, die bei der OB-Wahl 2012 keinen anderen Oberbürgermeister als meinen Vorgänger, Horst Frank, kannten…”

C: “…Horst Frank, Ihr Amtsvorgänger von den Grünen war von 1996 bis 2012 im Amt…”

B:”…das heißt also, dass die Hälfte der Bevölkerung entweder jünger als 16 war oder in den letzten 16 Jahren nach Konstanz kam. Und das ist natürlich etwas, das eine Stadt enorm prägt. Auch wenn das in der Innenansicht viele nicht sehen, weil sie denken da lebt der alte Konstanzer Klüngel. Die Stadt wäre eine andere wenn es die Hochschulen nicht gäbe.”
Radojevic: “Ich denke, es wäre verfehlt zu sagen, Konstanz sei keine ‘Studierendenstadt’. Hier leben sehr viele Studierende und die prägen in Teilen die Stadtgesellschaft. Versteht man unter ‘Studierendenstadt’ aber mehr als die bloße Anwesenheit einer gewissen Zahl an Studierenden, also die intensive Durchdringung des Stadtlebens durch die Hochschulen, dann fällt im Vergleich zu klassischen Universitätsstandorten wie Freiburg, Heidelberg oder Tübingen auf, dass es hier deutlich weniger originäre studentische Kultur gibt. Das mag daran liegen, dass die Universität Konstanz eine verhältnismäßig junge Universität ist…”

C: “…die Universität Konstanz wurde 1966 als Reformuniversität gegründet, die Uni Heidelberg beispielsweise 1386…”

R: “…klassische studentische Kneipen sind in diesen Städten teilweise über Jahrhunderte etabliert. Hier gibt es zahlreiche tolle Weinstuben. Die sind aber nun eher Teile der klassischen Konstanzer Bürgerkultur. Schaut man sich die Etablissements an in die man abends geht und weiß, dass man dort mehrheitlich auf Studierende trifft, dann sieht die Zahl schon wesentlich geringer aus. Ich sehe Konstanz in diesem Sinne noch eher als eine ‘Studenten-Entwicklungsstadt’. Aber da kann man in den nächsten Jahrzehnten sicher noch Einiges verwirklichen.”

C: “Je länger man hier in Konstanz lebt, desto mehr verfestigt sich der Eindruck, dass alteingesessene Konstanzer und Studierende in großen Teile eher eine Parallelexistenz als ein Zusammenleben fristen. Viele Studierende haben den Eindruck, dass sich die Stadt zu wenig um sie kümmert.Teilen Sie diesen Eindruck?”

B: “Ich war oft an der Uni und habe das Gespräch gesucht. Im Grunde wurde immer dasselbe gesagt. Konstanz kann nicht das Gleiche sein, wie Heidelberg, wo eine Uni seit Jahrhunderten die Stadt prägt. In Konstanz wurde die Uni als Campus-Uni außerhalb der Stadt gegründet. Dabei hat man sich etwas gedacht. Auch viel Richtiges. Wir wollen es anders machen, wir schaffen die Institute ab und verringern die unbändige Macht der Professoren. Es gibt hier auch kaum Verbindungen, die in anderen Städten ganze Stadtviertel prägen. Das ist hier völlig anders. Die Kehrseite ist aber eben die räumliche Entfernung. Es gibt ein Leben an der Uni und ein Leben in der Stadt. Für die HTWG gilt das nicht.”

C: “Und was entgegnen Sie dem Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden?”

B: “Diese Wahrnehmung ist definitiv nicht gerechtfertigt. Wir kümmern uns von Wohnbau über Busse bis zum kulturellen Angebot um die Studis und versuchen das Richtige zu tun. Wir, damit meine ich Verwaltung und Gemeinderat, versuchen das zu tun. Wenn ich von der Studierendenseite diesen Vorwurf höre, dann kommt von mir die unbequeme Standardantwort: Dann geht in die Politik. Wenn es politischen Handlungsbedarf gibt, organisiert euch, macht eine Liste und lasst euch aufstellen. Dann habt ihr eine Chance, eine wirklich einflussreiche Fraktion im Gemeinderat zu stellen. Wenn die Studis entgegnen, dass sie dafür keine Zeit hätten, dann kann ich das leider nicht akzeptieren. Die Zeit für dieses politische Engagement schneidet sich jeder aus den Rippen.”

C: “Wenn Sie 2020 wieder OB-Wahlkampf machen, rechnen Sie dann überhaupt mit der Wählergruppe der Studierenden? Oder glauben Sie, dass die ihre potenzielle politische Macht nicht ausspielen werden?”

B: “Ich habe mich schon beim letzten Wahlkampf an die Studierenden gewandt und werde das, so die Konstanzer wollen, in einem kommenden Wahlkampf wieder tun. Ich denke, dass ich aufgrund meines Hintergrundes, meines Charakters und meines Alters guten Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Studis habe. Ich bin in gutem und ständigem Austausch mit den Hochschulen. Ich weiß, dass ich nicht jeden Wunsch erfüllen kann. Ich denke aber, eines habe ich versprochen und auch gehalten. Und zwar: Wir kümmern uns, wo wir können und sind jeder Zeit ansprechbar.”

C: “Aber ist es eine Wählergruppe, die Sie als entscheidend für Ihre Wiederwahl ansehen?”

B: “So taktisch denke ich nicht. Es sind 17000 Studierende, die in dieser Stadt leben, ja. Aber sie sind keine homogene Gruppe. Auch sie bestehen aus vielen verschiedenen Gruppen. Viele interessieren sich auch gar nicht für Kommunalpolitik, weil sie eben nur drei Jahre hierbleiben.”
R: “Für mich war es sehr glücklich, dass ich 2012 nach Konstanz kam und direkt die OB-Wahl mit ihren unterschiedlichen politischen Angeboten mitbekam. Aufgrund von acht Jahren Amtszeit bekommen viele Generationen von Studis eine OB-Wahl gar nicht mit. Das Problem, wenn Herr Burchardt dazu aufruft, dass sich Studis engagieren sollen, ist für mich die Strukturierung unserer Studiengänge. Wahlrechtlich ist es schwierig sich als Studierender in den Gemeinderat wählen zu lassen. Aufgrund der Ortsgebundenheit nimmt man damit nämlich in Kauf nie ein Erasmus oder ein Praktikum außerhalb von Konstanz machen zu können. Das ist ein Problem, wofür das Wahlrecht und nicht die Stadt Konstanz zuständig ist. Aber ich denke es erklärt, warum kaum Studis im Gemeinderat sitzen. Und damit gehen originär studentische Interessen in Teilen eben unter.”
B: “Wenn Sie eine Initiative zur Änderung des Wahlrechts starten, unterschreibe ich Ihnen die. Daran darf es nicht scheitern.”
R: “Ja, allerdings sind das sehr langfristige Prozesse, die weit unten auf der landespolitischen Agenda stehen. Konstanz wird aber auch nicht primär mit seiner Universität verbunden. Zuerst denkt man an den Bodensee und „Da ist es schön.“ Dann gibt es die konkreten Probleme wie Mietpreise, Wohnraum und Sperrstunde in einer Studentenstadt, die in meinen Augen nicht gelöst sind und der Zuschreibung „Studentenstadt“ entgegenwirken. Da könnte die Stadt mehr tun. Die Stadt müsste sich ein klareres Profil als Universitätsstadt geben. Ich glaube, dass Konstanz da ein Stück weit janusköpfig ist. Zum einen Tourismusstadt, zum anderen Einkaufsstadt, Wirtschaftsstandort und dann noch Wohnort. Zwischen diesen Rollen gibt es Konflikte und ich habe das Gefühl, dass diese Konflikte oft zu Ungunsten der Universitätsstadt ausgehen.”
B: “Natürlich gehen alle Prozesse immer wieder zu Ungunsten irgendeiner bestimmten Gruppe aus. Konstanz ist auf dem Sprung zur Großstadt. Dieser Prozess ist für eine Stadt schwieriger als wenn sie von 180 000 auf 200 000 Einwohner wächst. Es beginnen Urbanität und Anonymität zu entstehen und es beginnen sich große Einflussgruppen zu bilden. Janusköpfigkeit finde ich da einen zu negativen Begriff. Vielmehr muss eine Stadt wie Konstanz eben sehr viel können. Da sind die Studierenden, da ist das Konstanzer Bürgertum, Leute, die soziale Schwierigkeiten haben, Leute, die hier leben, aber in der Schweiz arbeiten und auch Leute, die hier arbeiten, aber keine Wohnung finden und deshalb pendeln. Und die alle müssen wir mitnehmen. Nehmen wir nun die Sperrstunde als Beispiel. Ich gestehe jedem zu, dass er die ganze Nacht feiert. Finde ich cool, wäre ich am liebsten dabei. Aber städtebaulich verfolgen wir das Ideal einer europäischen Stadt mit einer lebendigen Innenstadt. In jedem Quartier soll sowohl gelebt, als auch Geld verdient werden und beide Interessen sollen vereinbar sein. Es sollen Reiche, Arme, Studis und Asylbewerber vermischt werden. Wir wollen keine Quartiere für die einen und für die anderen. Es stehen bei der Sperrstunde also das legitime Interesse ‘Party’ gegen das legitime Interesse ‘Ruhe’ für Anwohner. Deshalb gibt es keine politische Mehrheit, die ganze Stadt sperrstundenfrei zu machen.”

C: “Wie würden Sie die Situation im Stadtkern denn aktuell beschreiben?”

B: “Party ist rechtsrheinisch, Fachwerk, Weinstube und Einkaufen sind linksrheinisch.”

C: “Aber das ist doch gerade nicht durchmischt.”

B: “Doch. Linksrheinisch wohnen 20 000 Menschen aus allen Schichten. Diese Mischung wollen wir. So lebt die Stadt.”
R: “Die Konflikte auf rechtsrheinischer Seite, die sie durch den Partycharakter hat, könnte man aber doch gerade dadurch entschärfen, dass man die Regelung in der Altstadt lockert. Gerade am Wochenende. Unter der Woche bin ich mit Ihnen einig, dass man da nicht bis fünf Uhr morgens unterwegs sein kann.”
B: “Das unterscheidet sich eben auch nach Lebensphasen und weniger nach Gruppen. Wer in der Fußgängerzone wohnt und studiert hat eben noch kein Problem mit nächtlichen Kneipengängern. Dann ist das Studium vorbei, man ist berufstätig und das erste Kind kommt und plötzlich ist nächtlicher Lärm ein großes Ärgernis.”

C: “Wie sehen Sie die langfristige Perspektive für Studierende in Konstanz? Will man sie nach dem Studium überhaupt hier halten oder muss man sich mit dem Sprungbrettcharakter der Stadt abfinden?”

B: “Diese Frage dreht sich vor allem um Arbeitsplätze. Wir müssen besser darin werden, einen Teil davon zu binden, was hier an Potenzial und Engagement mit den Studierenden reinkommt. Wirtschaftsmäßig haben wir einige Hidden-Champions, 4200 Unternehmen und so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftige wie noch nie. Aber wir müssen als Stadt weiter versuchen die Region um Konstanz, die Metropolregion Zürich, Friedrichshafen und so weiter zu vernetzen. Es soll eine Region sein, in der es zukunfts- und arbeitsmäßig viel gibt. Ich kann Ihnen sagen, dass die Digitalwirtschaft händeringend nach Arbeitskräften sucht. Wir haben hier keinen Arbeitsstellenmangel, wir haben Vollbeschäftigung.”
R: “Ich denke man wird nicht verhindern können, dass ein gewisser Teil der Hochschulabsolventen die Stadt wieder verlässt. Die Frage ist, bietet die Stadt dann aber jungen Familien und Menschen zwischen 30 und 40 genug? Und diese Frage beantworten viele mit nein. Klar gibt es das Handlungsprogramm Wohnen, aber für mein Empfinden hätte dieses Programm auch sechs oder sieben Jahre früher gutgetan.”

C: “Bis 2030 sollen durch das Handlungsprogramm 5300 bezahlbare Wohnungen entstehen. Für junge Familien ist das aber noch sehr weit hin. In der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen verlassen aktuell mehr Menschen Konstanz, als sie hierherziehen.”

R: “Warum – das muss man allerdings Herr Burchardts Vorgänger fragen – wurde das Programm nicht früher aufgelegt, wenn die Stadt durch die Hochschulen boomt?”

C: “Nicht nur gibt es kurzfristig zu wenig Wohnraum. Oftmals ist bestehender Wohnraum auch einfach zu teuer oder steht als Ferien- oder Zweitwohnung nicht als Wohnraum zur Verfügung.”

B: “Wir als Stadt haben uns klar positioniert zum Thema Zweitwohnungen, Zweckentfremdung und Mietpreisbremse. Aber wir sind ein freies Land mit starkem Eigentumsbegriff. Ich denke, dass es richtig ist, dass wir als Stadt nicht einfach kommen können und Wohnraum beschlagnahmen. Das geht nur in Notfällen und einen solchen – Stichwort Studis in Turnhallen – hatten wir in meiner Amtszeit noch nicht. Der Geschäftsführer unserer Wohnungsbaugesellschaft sagt richtigerweise: Es schläft noch keiner unter der Brücke. Die Lage ist sehr angespannt, aber es gibt keinen solchen Notfall. Die Logik hinter der Problematik ist, dass alle in die Stadt wollen. Die Stadt investiert in Kultur, in öffentlichen Raum und, und, und. Dadurch wird die Stadt immer attraktiver und immer mehr Leute wollen die Attraktivität des urbanen Umfelds. Das treibt den Preis. Das ist hier, wie in München ein Problem. Und bei den Preisen pro Quadratmeter liegen wir hinter München und Frankfurt auf Platz drei.”
R: “Ich glaube es tut Ihrer Popularität nicht gut Konstanz und München – was die Mietpreise angeht – in einem Atemzug zu nennen.”

C: “Aber so monokausal kann man das doch nicht sehen. Konstanz ist nicht München. Und gerade Studierende, die wegen der Uni hierherkommen leiden unter den hohen Preisen. Konstanz ist von der Urbanität wiederum aber doch weder mit Frankfurt, noch mit München zu vergleichen.”

B: “Konstanz hat das gleiche Problem, wie jede andere attraktive Universitätsstadt im Südwesten. Die vielen jungen Leute bringen Kultur, Engagement und Zukunftsperspektive mit. Ein Glaube an eine bessere Zukunft, der die Entwicklung der Preise nun mal treibt. Am schwersten haben es aber nicht die Studis. Die rütteln sich eher in den Wohnungsmarkt rein. Junge, einkommensschwache Familien haben es viel schwerer. Gekniffen ist in Konstanz, wer sich bewegt oder neu dazukommt. Dieser Entwicklung wollen wir als Stadt gegenwirken. Dafür stehen wir mit beiden Füße auf dem Gas, um zu bauen, zu bauen und nochmal zu bauen. Wir sind Nummer eins im sozialen Wohnungsbau in Baden-Württemberg. Diese Menschen, die jungen Familien, verlieren wir trotzdem nach ein oder zwei Jahren, wenn sie eine größere Wohnung für die Kinder brauchen. Dem versuchen wir gerecht zu werden. Wir sagen jedem Investor, dass er 30 Prozent sozialen Wohnraum bauen muss oder nicht in Konstanz baut. Wir haben Glück, dass alle in Konstanz bauen wollen und wir setzen knallhart unsere Vorstellungen um.”
R: “Warum kam das Handlungsprogramm Wohnen nicht früher?”
B: “Das kann ich nicht beurteilen. Im Jahr nach meiner Wahl, 2013 haben wir das Programm angeschoben. 2009 ging es los mit dem starken Wachstum. Konstanz hat damals alles für die Innenentwicklung der Stadt getan, aber keine Reserven aufgebaut. Das Problem haben wir jetzt noch. Zwischen Schweiz, Naturschutzgebiet und See ist wenig Platz.”

C: “Noch wächst die Stadt. Aber Uni und HTWG haben ihre Kapazitätsgrenze ausgereizt. Kann die Stadt weiterwachsen, wenn die Hochschulen nicht größer werden?”

B: “Die Stadt wächst trotzdem weiter. Das Wachstum der Stadt resultiert ganz sicher nicht nur aus den Studierenden. Die Konstanzer haben im deutschen Vergleich eine große Lebenszufriedenheit und sind zufrieden mit beispielsweise der Integration. Das ist ein guter Indikator dafür, wie lebenswert Konstanz ist. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Stadt weiterwächst. In der Natur, wie in der Städteplanung gibt es keine Stabilität und keinen Stillstand. Es heißt also entweder bergauf oder bergab. Das Wachstum bringt seine Schmerzen mit sich. Wir müssen Fläche erschließen und Infrastruktur schaffen. Das kostet alles Geld und manch einer mag sich wünschen, dass es langsamer ginge. Aber viel brutaler ist der Schrumpfungsprozess. Der passiert nicht sukzessive, sondern Schubweise. Schwimmbad zu, Schule zu, Attraktivität nimmt immer weiter ab und die jungen Leute verlassen die Stadt. Das kann man an vielen Orten in Deutschland beobachten aber hier nicht. Um unsere Probleme beneiden mich wohl 98,5 Prozent der deutschen Oberbürgermeister.”

C: “Studierende haben an uns herangetragen, dass sie mit dem kulturellen Angebot in der Stadt unzufrieden sind.”

R: “Sehr interessant ist hier der Horstklub, der nach Kreuzlingen und eben nicht nach Konstanz gegangen ist. In Konstanz, so habe ich gehört, war es wohl zu schwer einen passenden Ort zu finden, weil im Zweifel die Interessen der Anwohner höher gewichtet wurden.”
B: “Dem muss ich nachgehen. Davon habe ich damals nichts gehört. Zur Kultur allgemein: Kann bestimmt besser werden. Aber wir haben das Gute-Zeit- und das Campusfestival, das Kulturticket und so weiter. In den letzten 15 Jahren haben wir eine tolle Entwicklung, was die Kultur in der Stadt angeht. Vielleicht sind wir noch weit weg von dem, was möglich wäre. Aber ich denke die Entwicklung ist trotzdem großartig, zum Beispiel, was das Nachtleben angeht. Ich bin aber absolut offen für weitere Anregungen und Vorschläge. Wir tun allerdings auch viel und es würde mich freuen, wenn die Studis uns das zugestehen würde.”

C: “Anderes Problem: Öffentlicher Nahverkehr speziell in der Nacht.”

B: “Wir investieren gut 4 Millionen im Jahr in die Busverbindungen. Für die Anbindung der Teilorte haben wir durch die Linie 4/13, 13/4 schon viel gemacht. Wir werden aber bei den Stadtwerken nochmal nachhören, wo es Nachholbedarf gibt. Ich hätte aber auch gerne einen Seehas, der 24 Stunden fährt. Immer wenn ich das sage, sagen die Betreiber und manche Kollegen: Wenn ihr das zahlt. Es kann nicht sein, dass die Stadt Konstanz das alleine zahlt, aber das braucht noch viel Überzeugungsarbeit. Die Kosten müsste der ganze Landkreis mittragen. Das möchte ich in dieser Legislaturperiode gerne noch bewegen. Wir müssen bei unserer speziellen topographischen Lage auf den öffentlichen Verkehr setzen und auf die B33. Eine Verknüpfung in den Westen hinein also. Das hilft uns, das hilft aber auch Radolfzell, Singen, Engen und so weiter.”

Zu den Interviewpartnern:

Ulrich Burchardt: Ulrich „Uli“ Burchardt ist seit dem 10. September 2012 Oberbürgermeister der Stadt Konstanz. Er ist CDU-Mitglied trat aber als parteiloser Kandidat an, wo er den Grünen Horst Frank nach 16 Jahren auf dem Posten des Oberbürgermeisters ablöste. Der 46-Jährige ist gebürtiger Konstanzer und studierter Forstwirt. Nach dem Studium rückte er beim Handelsunternehmen Manufactum in eine Führungsposition auf bevor er sich als Unternehmensberater selbstständig machte und an der HTWG Konstanz einen Lehrauftrag für Marketing innehatte. 2012 veröffentlichte Burchardt ein Buch über die Arbeitsweise seines früheren Arbeitgebers Manufactum. Als Oberbürgermeister ist er noch bis mindestens 2020 im Amt, wo er Vorsitzender des Gemeinderates, Leiter der Stadtverwaltung, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke und WOBAK, sowie Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Bodensee in Personalunion ist. In Burchardts Amtszeit fallen ein langfristig aufgelegtes Programm zum Wohnungsbau, Verkehrskonzepte zur Entlastung der Altstadt und mehr Fahrradfreundlichkeit. Bereits umgesetzt wurden beispielsweise das Bodenseeforum, der Bau einer Gemeinschaftsschule, die Schließung des Hauptzolls und der Ausbau des Glasfasernetzwerkes im Stadtgebiet. Auf der anderen Seite fielen aber auch die aufgeheizten Debatten um die Pappeln im Tägermoos und die Kommerzialisierung der Altstadt (Scala-Kino-Debatte) in Burchardts bisherige Amtszeit.

Marco Radojevic: Der 26-jährige Marco Radojevic hat momentan einen von zwei Sitzen der Partei DIE LINKE im Kreistag inne. 2010 trat er der Partei bei und wurde 2013 zum Direktkandidaten im Wahlkreis Konstanz nominiert. Er ist Mitglied im Kreisvorstand der LINKEN und einer der Landessprecher der reformorientierten Parteiströmung „Forum Demokratischer Sozialismus“. Seine politischen Schwerpunkte liegen in der Sozialpolitik, Bildungspolitik und Demokratie und Bürgerrechte. In Göppingen aufgewachsen studiert Radojevic seit 2011 Politik und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz. Mit der politischen Hochschulgruppe‚ Grüne Offene Linke Liste’ zog er 2013 in das Studierendenparlament der Universität ein. Aktuell ist er stellvertretender Vorsitzender des AStA der Uni Konstanz. Zu seinen konkreten studentisch-politischen Anliegen zählen unter anderem die Wohnsituation für Studierende in Konstanz, kulturellen Angeboten, Infrastruktur und das allgemeine Zusammenleben in Konstanz bzw. die Schaffung von Frei- und Begegnungsräumen.

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