Help Wanted: Die Situation studentischer Beschäftigten an der Uni Konstanz

Als studentische Beschäftigte unterstützt man Forschungsgruppen oder Dozierende bei Forschung und Lehre oder arbeitet in universitätsinternen Abteilungen. Gemeinsame Recherchen von Campuls und karla zeigen: Ihre Arbeitsbedingungen an der Universität Konstanz sind teilweise bedenklich.

Thomas* hat an seine Zeit als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl der Universität Konstanz überwiegend negative Erinnerungen. Thomas ist nicht sein richtiger Name und zu seinem Schutz sind in diesem Artikel auch mögliche Hinweise über seine Arbeitsstelle verfremdet worden. Das Arbeitsklima sei schlecht und die Kommunikation teilweise sehr unhöflich und impulsiv gewesen. Die Kommunikation habe fast ausschließlich per E-Mail stattgefunden, Missverständnisse gab es täglich. Häufig seien dann den Hiwis die Schuld zugeschoben worden, falls etwas schiefgegangen sei. Der Dozierenden sei die Hierarchie zwischen ihr und ihren studentischen Beschäftigten bewusst gewesen und sie nutzte dies aus. Die Arbeitsanweisungen per E-Mail, die Campuls gemeinsam mit karla einsehen konnte, unterstützen diese Behauptungen. „Besonders verwerflich fand ich es, wenn einzelne Personen vor mehreren Mitmenschen herabgesetzt wurden, das ist leider häufig vorgekommen. Letztes Jahr sollten wir für eine Konferenz Lebensmittel besorgen. Aufgrund häufiger negativer Erfahrungen mit der Rückzahlung von Rechnungen entschieden wir uns, das Geld im Voraus zu verlangen, insbesondere, weil unsere finanzielle Lage nicht rosig aussah und die Beträge recht hoch waren. Unsere Vorgesetzte zeigte keinerlei Verständnis dafür und war nicht kompromissbereit, was letztendlich dazu führte, dass keine Lebensmittel bereitgestellt wurden. Als später nach dem Grund gefragt wurde, gab sie den Hiwis die Schuld. Das war schon ordentlich.“

Als der Arbeitsaufwand zu hoch wird, beschließt Thomas zu kündigen. Anfangs sei die Reaktion darauf sehr negativ gewesen, man habe sogar darauf bestanden, dass eine Kündigung gar nicht möglich sei. Er schlägt schließlich vor, etwas länger zu bleiben. Dieser Kompromiss wird abgelehnt, er müsse jetzt doch kündigen. „Das war sehr seltsam. Ich vermute, dass es gar nicht um die Kündigung per se ging, sondern dass sie ihren Willen durchsetzen kann.“ Thomas hat sich hilflos gefühlt. „Für uns gab es überhaupt keine Ansprechpartner:innen, die Hiwis werden komplett alleine gelassen, das war das Übelste von allem.“

Auf Anfrage teilt die Universität Konstanz schriftlich mit, dass die Verträge für die jährlich etwa 1.400 Hilfskräfte an der Universität Konstanz im Allgemeinen mit guten Arbeitsbedingungen einhergehen würden und mit hoher Flexibilität gerade Studierenden sehr entgegenkomme. Bei Missständen würden diverse Anlaufstellen für alle Studierenden zur Verfügung stehen, die auf der Uni-Webseite unter „Beratung und Hilfe bei Konflikten und Diskriminierung“ genau zu erfahren seien. 

Wenn man der Empfehlung der Universität folgt, gelangt man auf eine Webseite der Uni, bei der zwischen wissenschaftlichen Mitarbeitern (unbefristet), Mitarbeitende des wissenschaftsunterstützenden Dienstes und Studierende unterschieden wird. Zweiteres ist nicht genauer definiert, man wird auf eine Seite zu Konflikten mit Vorgesetzten, sexueller Belästigung, Diskriminierung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen weitergeleitet. Keiner dieser Weiterleitungen betrifft eine studentische Beschäftigung und/oder Arbeitsrecht. Unter dem Navigator von Studierenden gibt es keinerlei Kachel, die auf studentische Beschäftigung hinweist.

Unbezahlte Überstunden, frühzeitige Kündigungen

„Wenn Hiwis bisher schlecht behandelt werden, dann ist keine Ansprechperson da“, sagt Jan Werner. Er war selbst studentischer Beschäftigter an der Universität Konstanz und hat für das Green Office gearbeitet. Er selbst habe vier Monate unbezahlt gearbeitet, weil seine Stelle nicht nachbesetzt wurde. Weitere Klassiker seien keine Vertragsverlängerung über den Sommer, aber eine vorausgesetzte Weiterbeschäftigung im Herbst zum Beginn der Vorlesungszeit. Viele Hiwis wüssten nicht, dass sie einen Urlaubsanspruch haben, manche Professoren würden zwar Stunden für besseres Gehalt kompensieren, aber nicht jede:r würde das so machen. „Mir ist bewusst geworden, weil Hiwis am unteren Ende der Nahrungskette sind, wenn ich den Job nicht mache, kriegt das eine Kollegin von mir ab, die eh schon hundert Überstunden macht, die sie nie wieder zurückgezahlt bekommt“, erzählt er. Mittlerweile ist er bei der DGB-Hochschulgruppe aktiv und setzt sich für die bundesweite TV-Stud-Initiative ein. TV-Stud steht für die Abkürzung „Tarifvertrag studentischer Hilfskräfte“. Jan und die TV-Stud setzen sich unter anderem für eine Beschwerdestelle ein, damit Missstände angezeigt werden können. Im Herbst 2021 habe die Initiative festgestellt, dass die Universität Konstanz ihre Hiwis schlechter bezahlt als alle anderen Unis in Baden-Württemberg. Laut Jan habe sich die Uni damals nicht sonderlich bewegt. „Da hieß es, die Anhebung des Mindestlohns 2022 wird es schon regeln.“ Das habe bei ihm und anderen den Anstoß dafür gegeben, sich mit der Situation studentischer Hilfskräfte genauer zu beschäftigen.

„Das ist ein klassisches Beispiel, dass Dinge an sich nicht wirklich illegal sind, wie sie funktionieren, aber trotzdem nicht gut und am Ende Leute wirklich Kohle und Nerven verlieren, weil wir Arbeitskräfte dritter Klasse sind.

Jan Werner, TV-Stud Konstanz

Ein Tarifvertrag für Hiwis

Ein einheitlicher Tarifvertrag für studentische Beschäftigte soll wie bei anderen Tarifverträgen eine standardmäßige Absprache zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebenden werden, um einen Vertrag auszuhandeln, der zum Beispiel Löhne oder Arbeitsbedingungen fest regelt. Bei staatlichen Institutionen gibt es entweder einen Tarifvertrag der Bundesländer oder den des Bundes und den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. In diesen sind Regeln, wie Urlaubstage, Löhne für bestimmte Lohnklassen bis ins Kleinste geregelt. „Die Idee ist, Studis darin auch mit aufzunehmen, weil es bisher einfach nicht der Fall ist“, erklärt Jan. Mitarbeitende an der Uni hätten Arbeitsbedingungen und Löhne, die sie mit anderen Institutionen bundesweit vergleichen könnten, bei denen auch jedes Jahr neue Mindeststandards neu ausgehandelt werden würden. Das sei aber nicht der Fall bei studentischen Hilfskräften, da die Bundesländer unter dem Finanzministerium die Schirmherrschaft hätten und die Arbeitsbedingungen einzeln vor Ort ausgehandelt werden. Jan nennt ein konkretes Beispiel: „Wir haben hier Urlaubstage, die in Minuten gemessen werden, obwohl es beispielsweise in Bremen feste Tage nach Stundensatz im Monat gibt.“ Das soll, wenn es nach TV-Stud geht, einheitlicher werden.

Auch andere Studierende sind betroffen. Da ist Stefanie*: Sie musste ausdrücklich am Wochenende und an Feiertagen arbeiten, weil laut ihren Arbeitgeber:innen „da die meisten Leute Zeit hätten.“ Sie habe außerdem viele Überstunden geleistet. „Teilweise haben wir im Monat das Doppelte gearbeitet, von dem was wir sollten“, erzählt sie. Um Überstunden abzubauen, musste sie die Initiative ergreifen und ihre Chefin direkt ansprechen. Teilweise wurde erst am Abend vorher Bescheid gegeben, ob sie am nächsten Tag arbeiten müsse. Am schlimmsten war für sie aber, dass ihre Arbeitgeber:in die Vertragsverlängerung verbummelt habe, sodass sie einen Monat lang unbezahlt arbeiten musste. „Mit fast schon 15 Überstunden“, sagt sie. „Was bei mir ziemlich kritisch war, weil ich nicht viel Geld habe und BAföG beziehe.“ Oder Alexandra*, die sich ebenfalls nicht über ihre Rechte aufgeklärt fühlte. „Als es mal Probleme gab, war mir nicht bewusst, dass es dafür Anlaufstellen oder Ansprechpartner gibt. In der einen Stelle, in der ich auch nicht über den Urlaubsanspruch oder sonstige Regelungen informiert wurde, haben wir im Nachhinein erfahren, dass für studentische Hilfskräfte keine Arbeitstage am Wochenende oder Feiertagen erlaubt sind. Dort haben wir allerdings eigentlich hauptsächlich am Wochenende oder Feiertagen gearbeitet.“ Bei einem anderen Hiwi-Job an der Uni habe sie erlebt, dass Hiwis und auch Mitarbeitende nicht sonderlich respektvoll behandelt worden seien oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses sauer wurden. „Man hofft, dass es bei der nächsten Stelle keine solche Enttäuschung gibt, wenn man dann aufhört, da so viel Einarbeitungszeit und Ressourcen für einen aufgewendet wurden“, berichtet sie. Auch Pia habe sich nicht über das Arbeitspensum aufgeklärt gefühlt. „Dass man nicht immer verfügbar sein muss, wenn der Arbeitgeber das verlangt“, erklärt sie. Als Hiwi müsse man spontan sein, der Lehrstuhl würde von einem viel einfordern. Wenn sie krank sei, müssten Studien abgesagt werden. Daher überlege man sich dreimal, ob man nicht doch hingehe: „Man ist einfach nicht krank.“ Die Urlaubsansprüche blicke sie bis heute noch nicht, was sie dürfe und was nicht – aktiv nehme sie aber keinen.

Laut einer Studie vom Institut für Arbeit, Wissen und Wissenschaft der Uni Bremen gelten durchschnittlich 77,8 Prozent der studentischen Hilfskräfte mit einem monatlichen Gesamteinkommen von weniger als 1.250 Euro als armutsgefährdet. Baden-Württemberg landet mit 82,2 Prozent sogar auf Platz 4, während in Berlin, als einziges Bundesland mit Tarifvertrag, die soziale Lage deutlich besser ist. Nach der Veröffentlichung dieser Ergebnisse sei man gerade dabei, Gesprächsbögen an den jeweiligen Hochschulstandorten mit TV-Stud-Initiative zu sammeln. Mittlerweile gibt es bundesweit 60 solcher Initiativen. Mit den Bögen wolle TV-Stud Hilfskräfte mobilisieren, die streikbereit wären oder die Aktionen der Initiative mit unterstützen. „Wir fragen auch: Was hat man für Lohnvorstellungen? Wie stellt man sich beispielsweise eine Personalvertretung vor? Das wird da alles abgefragt, damit wir dann zu den Gewerkschaften mit konkreten Forderungen gehen können, die wir bei den Tarifverhandlungen mit den Ländern durchgesetzt haben wollen“, sagt Jan.

Eine Tarifrunde der Länder sieht aber einen einstimmigen Beschluss der Finanzminister vor. „Das heißt, dass wir am Ende vielleicht bei den Konditionen etwas herunterschrauben müssen“, gibt Jan zu. Für die Tarifverhandlungen würden aus Baden-Württemberg am Ende ein bis zwei Personen aus der ganzen TV-Stud-Initiative benannt, die selbst Hilfskräfte seien. Das ist ihnen besonders wichtig: „Studis verhandeln also am Ende auch über die eigenen Bedingungen mit und das ist auch die Idee, möglichst große Repräsentation zu zeigen. Wenn du Stimmen hast, die nicht mehr wirklich wissen, wie es ist, Hiwi zu sein, wird es halt schwierig.“

Jan Werner von der TV-Stud Initiative kritisiert die Arbeitsbedingungen der Hiwis an der Uni. Er setzt sich für einen einheitlichen Tarifvertrag ein. Foto: Steffen Mierisch

Bessere Löhne, geregelte Urlaubsansprüche, echte Personalvertretung

Neben der Forderung nach einem bundesweit einheitlichen Programm, geht es der TV-Stud-Initiative auch darum, dass Löhne kontinuierlich erhöht und immer an die Lebenserhaltungskosten von Studierenden angepasst werden. „Der Mindestlohn ist gut gemeint, aber 12 Euro war ja eigentlich 2018 schon zu niedrig“, sagt Jan Werner. Daneben gehe es auch um Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, eine echte Personalvertretung und die Bedingung, jeden Hiwi-Job auszuschreiben, um die Chancengleichheit zu erhöhen. Universitäten sollten laut Jan Leuchttürme der Gesellschaft sein, die sich kontinuierlich auch an die wissenschaftlichen Erkenntnisse richten sollten. Aber besonders die Repräsentation für Hiwis ist Jan ein Anliegen. „Die klassischen Personalräte sind für uns nicht zuständig, es gibt nicht mal einen Verteiler für alle Hilfskräfte an der Uni“, moniert er. „Die Idee ist, durch eine eigene Personalvertretung dort selber Studis zu haben, die während ihrer Arbeitszeit die Arbeit eines Personalrates machen können, die monitoren können, dass beispielsweise transparent Stellen ausgeschrieben werden.“ Zusätzlich müsse es geregelte Urlaubsansprüche geben. Bisher gebe es dieses wilde System, denn das deutsche Urlaubsgesetz funktioniere nicht für studentische Hilfskräfte: Bei einem Jahr von 40 Stunden pro Woche, habe man Anspruch auf sechs Tage Urlaub. „Aber wenn du den in Minuten misst, ja herzlichen Glückwunsch!“

Die Ergebnisse der Fragebögen zu den studentischen Forderungen werden im Juli und August erhoben. An der Universität Konstanz gebe es schon mehr als 100 ausgefüllte Bögen. Dabei habe sich jetzt schon herauskristallisiert, dass die meisten für ungeprüfte Leute ohne Bachelorabschluss einen Durchschnittslohn von 14 bis 15 Euro fordern. Für Jan die untere Messlatte: „Dass man an der Universität so bezahlt, dass man nicht am Ende komplett abgehängt wird.“ Vor allem aber, dass am Ende nicht wie im Oktober 2022 mit Mindestlohnerhöhung nur noch ein Unterschied von 17 Cent zwischen Leuten mit und ohne Bachelorabschluss vorliegt. Früher habe man mit Abschluss mindestens 1,50 Euro mehr bekommen als ohne. Dies würde mit Tarifvertrag erst gar nicht passieren.  „Es könnte dann auch nicht mehr vorkommen, dass die Universität unten einfach ein bisschen erhöht und alle anderen bekommen genauso viel wie bisher“, erklärt Jan. Auf Anfrage gibt die Universitätsleitung zu, dass es sicherlich unglücklich sei, dass durch die Erhöhung des Mindestlohns die Spreizung zwischen Hilfskräften ohne Abschluss und solchen mit Bachelor-Abschluss derzeit recht gering sei.

Unwissen der Hiwis wird ausgenutzt

Hiwis wüssten nicht, welche Rechte sie hätten, in manchen Verträgen stehe Urlaubs- oder Krankheitsanspruch gar nicht drin, es gebe keine Arbeitszeiterfassung. „Wenn du mal wirklich krank bist und nicht arbeiten kannst, beweise mal, wenn von dir gar keine Krankmeldung verlangt wird und du gar keine Arbeitszeiterfassung hast, dass du krank warst und nicht einfach nur gepennt hast“, erklärt Jan. „Das wäre eine so große Verbesserung, weil du dann einfach beweisen kannst, dass du gearbeitet hast und das können wir bisher nicht.“ Als studentische Hilfskraft wisse man nicht mal, wo man sich über die eigenen Rechte oder Urlaubszeiten informieren könne, man müsse das auf der Webseite der Uni tun. „Stell dir mal vor, du müsstest in der Wirtschaft oder so die Konditionen deines eigenen Arbeitsvertrages googlen, geht ja eigentlich gar nicht.“

„Universitäten sind sehr gut darin, Löhne und Sozialleistungen zu drücken“, sagt Jan. Gerade die Universität Konstanz hätte zu wenig Geld und durch die Mindestlohnerhöhung nicht mehr Geld vom Land bekommen. Von Seiten der Universitätsleitung heißt es dazu lediglich:

„Tatsächlich ist bei diesem Thema […] das Land Baden-Württemberg Verhandlungspartner für die Studierenden. Ebenso wie das Land im Fall eines Tarifvertrags für Studierende die regelmäßigen Verhandlungen mit einer Vertretung der Studierenden führen müsste. Eine (gewerkschaftliche) Interessensvertretung der Studierenden in Belangen der Entlohnung muss aus der Studierendenschaft heraus entstehen, das ist nicht Sache einer Hochschulleitung.“

Jan Werner ist von dieser Aktion enttäuscht. „Das ist schön akademisch für ‚Leckt uns doch am Arsch‘. Es wird nicht mal auf die Ebene gegangen, sich zu überlegen, wie bekommen wir genug Geld rein, um am Ende Leute bezahlen zu können.“ Das Rektorat entgegnet auf Anfrage schriftlich:

„Das Rektorat der Universität Konstanz wendet sich nicht grundsätzlich gegen einen Tarifvertrag für Studierende. Nach unserer Auffassung könnte es durch einen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte allerdings zu negativen Auswirkungen für die Hiwis als Arbeitnehmer:innen kommen. Käme es zu einem Tarifvertrag, müssten sich die Rahmenbedingungen für die Hilfskraftmittel im Staatshaushaltsplan grundsätzlich ändern. Das Land müsste die entsprechenden Mittel für die Universitäten anpassen und regelmäßig die Tarifsteigerungen übernehmen, da ansonsten die Konsequenz wäre, dass weniger Hiwis eingestellt werden können.“

Im Mai 2023 sei von Seiten der Universität innerhalb der Ausarbeitung des Struktur- und Entwicklungsplans sogar erbeten worden, Sozialforderungen für Studis und studentische Hilfskräfte zu inkludieren. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von TV-Stud, Studierendenvertretung und studentischen Senator:innen wurde ein gemeinsamer Text formuliert, der am Ende wieder gestrichen worden sei. Die Argumentation der Uni: Dieser Plan sei kein Forderungskatalog an das Land und insofern an dieser Stelle nicht das richtige Instrument. Die studentischen Senator:innen Caroline Meinshausen, Niklas Hähn und Tom Schneider können die Universität hier ein Stück weit verstehen. Sie sitzen gemeinsam mit der Universitätsleitung im Senat, um dort die studentische Perspektive einzubringen. „Die Universität hat gerade große Probleme damit, weil sie sich aufgrund der Inflation und der finanziellen Belastung in großen Schwierigkeiten sieht, das Ganze zu bezahlen“, sagt Niklas. Carolin ergänzt: „Die Universität selber kann den Tarifvertrag ja gar nicht ausgeben, das kann nur das Land.“ Trotzdem sei es wichtig herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Universität einem Tarifvertrag zustimmen würde. „Und das findet man nur heraus, wenn man mit der Universität redet.“ Sie seien selbst trotzdem enttäuscht gewesen. „Aber es ist kein Geheimnis, dass das hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben ist. Also wir haben das auch nochmal im Senat kundgetan.“

Caroline Meinshausen, Niklas Hähn und Tom Schneider sind studentische Senator:innen. Sie haben eine Informationsbroschüre für Hiwis mitentwickelt, die ab dem kommenden Wintersemester verfügbar sein wird. Foto: Steffen Mierisch

Auch die studentischen Senator:innen seien daran interessiert, das strukturelle Problem mit studentischen Beschäftigten besser zu begreifen. Doch um etwas bei der Universität als arbeitgebende Institution zu erreichen, müssten sie mit Zahlen kommen. „Die Uni fragt uns natürlich: Ist das jetzt ein Einzelfall oder seht ihr dieses Problem systematisch? Daher sind wir sehr dankbar darum, dass es Initiativen wie TV Stud gibt, die gerade große Maßnahmen ergreifen, um diese Informationen zu bekommen“, erläutert Niklas.

„Je mehr Leute sich bei uns melden, desto mehr können wir auch mit Zahlen, Fakten kommen und dann ist es natürlich überzeugend.“

Tom Schneider, studentischer Senator

Informationsbroschüre und anonymer Briefkasten für Hiwis

„Ich denke, dass gerade diese Informationslücke ein großes Problem ist, weil das auch dazu führt, dass die Leute gar nicht wissen, gegen was sie sich wehren können und wie. Dafür haben wir in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung – das ist auf dem Weg, das hängt tatsächlich leider wegen Personalmangel in der Personalabteilung fest – eine Informationsbroschüre gemacht, wie eine Ersti-Info nur für Hiwis zum ersten Arbeitstag. Da steht dann drin, was man eigentlich für Rechte hat und auch an wen man sich wenden kann, wenn man das Gefühl hat, dass es eben nicht funktioniert“, fügt Caroline hinzu. Die meisten Professor:innen oder Vorgesetzten seien sich den strukturellen Problemen aber bewusst und auch interessiert daran, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Als studentische Senator:innen seien sie nur begrenzt handlungsfähig, da sie keine Mehrheit im Senat hätten. „Aber wir sind stark mit der Universität im Diskurs und bewirken im Moment kleine Veränderungen, kleine Verbesserungen. Wir versuchen aber, das große Ziel nicht aus den Augen zu lassen“, erklärt Niklas.  Als Campuls sie mit einigen Vorwürfen von Stefanie, Thomas, Alex und anderen Hiwis konfrontiert, argumentieren die studentischen Senator:innen, diese seien ihnen nicht bekannt gewesen. „Die Uni braucht mehr Fälle und wie oft das vorkommt, dann können wir auch im Jour Fixe mit der Rektorin sagen, dass ist uns zu Ohren gekommen, das geht überhaupt nicht. Das ist eben das Gute, dass man da auch diesen schnellen Draht hat“, sagt Caroline.

Neben der Informationsbroschüre ist zum Wintersemester auch ein offener, aber anonymer Briefkasten geplant – ein Feedback Management System, sowohl digital als auch physisch. „Das bricht erstmal die komplette Struktur von ‚O Gott, an wen muss ich mich jetzt wenden?‘ herunter auf die Feedback-Box, denn da kommt es dann auf jeden Fall an, wo es hinsoll. Man spart sich auch, dass man das erstmal selber rausfinden muss. Ich finde es sehr positiv, dass es tatsächlich von Seiten der Uni gekommen ist.“ Auch ein Briefkasten der StuVe ist geplant, der dann in das Feedback Management System eingespeist werden soll. „Den Studis sollte eigentlich klar sein, dass sie sich grundsätzlich erstmal immer an ihre Fachschaft oder die StuVe wenden können. Das müsste eigentlich schon ausreichen, denn dort sitzen genug Leute, die wissen, wo man jetzt mit dem Problem hingeht, sodass da quasi eigentlich nichts durchs Raster fallen sollte“, ergänzt Caroline. Trotzdem würden kaum Studierende mit ihren Problemen zu ihnen kommen, die Hürde, sie zu kontaktieren, könne zu groß sein. „Gerade wissen wir noch nicht genau, wie man das löst. Denn hinter all den E-Mail-Adressen sitzen Menschen, die sind auch bereit das zu lesen. Und wir nehmen alles mit, was wir irgendwie hören.“

Für Stefanie, Alexandra und auch Pia nur ein schwacher Trost. „Gerade wenn man in den ersten Semestern so einen Job annimmt, weiß man noch nicht genau, auf was man sich einlässt.“ Für Stefanie brauche es genaue Auflagen, was Hiwis machen dürfen und was nicht, aber vor allem regelmäßige Evaluationen zu den Arbeitsbedingungen. „Um zu schauen: Kann man den Leuten Hiwis überhaupt anvertrauen?“ Für Pia könnte der Lohn besser sein, da sie als Hiwis viel Verantwortung tragen würden. „Ich fühle mich wertgeschätzt, aber es könnte durchaus besser bezahlt sein.“ Die Uni sei ein idealer Arbeitgeber, man sei sehr flexibel. Daher könnte die Uni aber auch mehr für die Hiwis tun. Und Stefanie ergänzt: „Flexible Arbeitszeiten sind zwar ganz schön, aber ein gewisser Rahmen für diese wäre toll, weil entweder alles last minute gemacht werden soll oder es ist ein Riesenpensum, dass man gar nicht so schnell oder alleine bewältigen kann.“

Auch Jan schüttelt bei der Argumentation der Uni nur den Kopf. „Wer soll denn das alles machen? Wir wollen endlich auch die Bedingungen, die seit 30, 40 Jahren in der deutschen Wirtschaft normal sind.“ Caroline, Niklas und Tom sehen ebenfalls Schwierigkeiten, vor allem bei der Durchführung, dem Arbeitsaufwand und weil der Studierendenvertretung mittlerweile viele Leute fehlen. „Corona und andere Krisen haben studentisches Engagement total unattraktiv gemacht. Wir haben Schwierigkeiten, Leute zu finden, die sich engagieren wollen“, sagt Tom. Niklas ergänzt: „Natürlich macht man sich darüber Gedanken, ob die Arbeit, die man gerade reingesteckt hat, alles für die Katz war oder irgendwie weitergeführt wird, denn das ist einfach zu viel Arbeit.“

*Namen von der Redaktion geändert


Seid ihr selbst von einer oder mehreren Erfahrungen im Artikel betroffen oder ihr könnt euch in den Schilderungen wiederfinden? Ihr wisst nicht so recht, an wen ihr euch wenden könnt?

Die TV-Stud-Initiative und auch die studentischen Senator:innen sammeln anonymisiert Fälle. Hier könnt ihr euch jetzt schon melden:

TV-Stud: dgb.hsg@uni-konstanz.de

Studentische Senator:innen: studi.senat@uni-konstanz.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Posts
Hörsaal
Lesen

Ausnahmen bestätigen die Regel: Wieso man die Regelstudienzeit nicht zu ernst nehmen sollte

In der Regel soll man das Bachelor-Studium in sechs bis acht Semestern, das Master-Studium in zwei bis vier Semestern abschließen. In der Regel wünschen sich Unternehmen Arbeitnehmende, die über eine gute praktische Kompetenz verfügen. In der Regel lassen sich diese Ideale vom ausgelebten Studentenleben auf der einen und der ausreichend Arbeitserfahrung auf der anderen Seite nicht miteinander vereinen. In der Regel sind die meist unverbindlichen Angaben der Regelstudienzeit ein bildungspolitisches Instrument, um schneller mehr berufstätige, steuerzahlende Bürger und Bürgerinnen zu generieren. In der Regel beziehen aber auch viele Studierende finanzielle Unterstützung vom BAföG-Amt und müssen deshalb die Regelstudienzeit einhalten.
Lesen

Ein versteckter Forschungsbereich – Die Mediävistik an der Universität Konstanz

Obwohl die Mediävistik gut aufgestellt ist – immerhin gibt es in diesem Bereich zwei Professuren und mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter – gehört sie zu den unbekannteren Bereichen an der Universität Konstanz. Was die Mediävistik so besonders macht und wie sie darauf gekommen sind, ihren Instagram-Kanal „Mediävistik Memes“ zu gründen, erklären die Studentinnen Anna und Sandra.
Wohnheimzimmer
Lesen

Leben im studentischen Wohnheim: Glücksgriff vs. Albtraum

Die Wohnungssuche in den Studierendenstädten war schon immer ein großes Problem für Neuzugänge und bereits Studierende. Auch mich hat es betroffen, als die Entscheidung stand, in Konstanz zu studieren. Nach vielen Anfragen auf ein Zimmer in privaten Wohngemeinschaften und der Anmeldung in das Vergabeverfahren auf ein Zimmer der studentischen Wohnheime, war die Resonanz zunächst sehr ernüchternd. Mein Frust, bis zum Studienstart keine Wohnung zu finden, natürlich parallel dazu steigend.