Ice, ice Baby – Eisbaden, und zwar richtig!

Eisbaden im Bodensee ist seit Jahren Trend. Als Neujahrsvorsatz oder Challenge – wohnt man am See ist man auch ganzjährig im See. Aber was ist dran am Mythos des gesunden Eisbadens und worauf sollte man dabei unbedingt achten?

„Das Wasser ist jetzt so kalt, kälter wirds nicht mehr“, erklärt Johnny. Es ist ein Sonntag Ende Januar im Herosé-Park in Konstanz. Das Thermometer klettert an diesem Tag auf vier Grad, die Temperatur im See liegt knapp darüber: zwischen 5 und 6 Grad.Johnny und seine WG haben sich hier heute zum „Winter swim“, organisiert vom ESN (Erasmus Student Network), eingefunden. „Wenn man in der Gruppe reingeht, fällt es einem leichter“, sagt Clara. Sie gehört mit zum Organisationsteam und ist das dritte Jahr in Folge dabei. Viele der Anwesenden gehen heute zum ersten Mal im kalten Bodensee baden. So auch Sascha, ein Erasmus Student aus der Ukraine, der wegen des kalten Wassers sichtlich aufgeregt ist. Eine Veranstaltung wie die des ESN für ein Eisbadzu nutzen ist klug, denn man sollte nicht allein ins kalte Wasser steigen. Für den Fall, dass etwas passiert, sollte immer jemand da sein, der helfen kann, so die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) in ihrem Leitfaden zum Eisbaden. Die Hemmschwelle ist groß, denn es kostet viel Überwindung ins kalte Wasser zu gehen.. „Ich habe aber noch nie jemanden erlebt, der es zum ersten Mal gemacht hat und es blöd fand. Die meisten kommen raus und wollen es direkt nochmal machen“, erzählt Johnny.

Johnny und sein Mitbewohner Lian sind kaltes Wasser gewöhnt, in der WG haben sie eine Abmachungmindestens einmal in der Woche in den kalten See zu springen. Erfüllt man das Soll nicht, schuldet man der WG ein Glas Barilla Pesto. „Wir peilen immer so fünf Minuten im Wasser an“, erzählt Lian. Einen genauen Richtwert, wie lange man im kalten Wasser bleiben sollte, gibt es nicht, es gilt aber generell: Je unerfahrener, desto kürzer. Und: Regelmäßige Eisbadende dürfen nicht länger als ein paar Minuten im Wasser bleiben.

Beim Eisbaden gilt es, sich zunächst einmal aufzuwärmen. Viele der Anwesenden beginnen mit Liegestützen, „um den Puls hochzutreiben“, sagt Johnny. Dann laufen sie alle gemeinsam die Bootsrampe runter. Etwa 14 Studenten waten gleichzeitig in den kalten See, gemäß dem Motto: „Immer weiterlaufen, nicht stehen bleiben, dann kehrt man auch nicht um“. Schlussendlich tummeln sich zwischen 20 und 30 junge Menschen im Wasser. Wichtig beim Eisbaden ist, sich langsam ans kalte Wasser zu gewöhnen. Denn der Körper ist plötzlich deutlich kälteren Temperaturen ausgesetzt. Um sich warm zu halten, muss er schnellstmöglich viel Wärme produzieren. Dafür weiten sich die Gefäße und das Blut kann besser zirkulieren, somit stabilisiert sich der Kreislauf. Als sich ein wagemutiger Anfänger umhört, ob jemand mit ihm von der Fahrradbrücke springt, raten die anderen ihm dementsprechend sofort davon ab, denn springt man ins Wasser, setzt man den Körper einem gefährlichen Schock aus. Einige der Eisbadenden sind zudem mit Mütze ins Wasser gegangen, denn die meiste Wärme verliert unser Körper über den Kopf. Durch die Mütze muss Körper nicht mehr Wärme als notwendig produzieren.

Für den Großteil der Teilnehmenden endet der Spaß nach etwa einer Minute wieder. Mit einem Stöhnen und Japsen kommen sie zurück ans Ufer, die meisten von ihnen waren bis zum Hals im Wasser. Zurück an Land beginnen sie möglichst rasch mit dem Abtrocknen. Übereinstimmend berichten sie, dass die Füße gerade am kältesten seien. Und wie hat es sich nun angefühlt? „Meine Haut ist ganz kalt“, sagt Lian, nachdem auch er nach etwa fünf Minuten wieder am Ufer ist. Sascha, der Erasmusstudent, erzählt sichtlich stolz, dass er sich überwunden hat. „Im Wasser war es ganz kalt, jetzt ist es wirklich warm.“ Und Daniela, ebenfalls heute zum ersten Mal im eiskalten Wasser gewesen, berichtet, dass es „nicht ganz so schlimm“ wie erwartet war und „auf jeden Fall eine interessante Erfahrung.“

Schwimmen in Eiswasser ist, wenn man es nicht übertreibt, für den Körper tatsächlich gesund, so wird beispielsweise das Immunsystem gestärkt. Außerdem wird während des Badens neben Adrenalin auch Serotonin ausgeschüttet, das „Ice Bathing“ macht damit nachweislich glücklich. Und auch die Überwindung, die es kostet, ins Wasser zu gehen, stärkt anschließend das Selbstbewusstsein. Trotzdem sollte man es bei all diesen positiven Faktoren nicht übertreiben: Etwa zwei Mal in der Woche ist der Sprung ins kalte Wasser empfohlen, ansonsten kommt die Regenerationszeit des Körpers zu kurz.

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