Vegan in Konstanz

Obwohl Konstanz im deutschlandweiten Vergleich nicht die größte oder für manche vielleicht „hippeste“ Stadt ist, ist sie immerhin die größte Stadt am Bodensee. Nach dem Statistik-Bericht des Landkreises Konstanz aus dem Jahr 2017 sind die Zahlen der Studierenden an beiden Hochschulen innerhalb von zehn Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen. Auch die Zahlen von internationalen Studierenden wachsen stetig. Diese steigenden Tendenzen lassen Konstanz eine kulturell vielfältige Stadt mit vielfältigen Essensangeboten sein – so bietet die Kreisstadt auch für vegan lebende Menschen immer mehr Möglichkeiten.

Was bedeutet es eigentlich, vegan zu leben?

Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme, Veganismus beziehe sich nur auf eine rein pflanzliche Ernährung, stützt sich der Veganismus nicht nur auf gesundheitliche, sondern vor allem auf ökologischen und ethische Gründe. Damit ist der Veganismus mehr als nur eine Ernährungsform. Veganer:innen möchten nicht zu dem vom Verzehr von Fleisch und anderen Tierprodukten verursachten Tierleid beitragen und weiten dies auch auf andere Bereiche aus.

Das vegane Lebensmittelangebot wächst in Konstanz zunehmend:

So stocken Supermärkte und Discounter immer mehr fleischlose Alternativen auf. Besonders das Edeka-Center Baur an der Reichenaustraße bietet eine große Theke mit tierleidfreien Alternativen, die von Burgerpatties über veganen Käsebelag bis hin zu außergewöhnlichen Produkten wie veganen Shrimps führen. Auch wenn noch nicht jeder Supermarkt oder Discounter dieses große Angebot zur Verfügung stellt, findet man in jedem dieser Läden mittlerweile mindestens Tofu, vegane Milchalternativen oder Aufstriche.

Auch an der Universität und der HTWG wird aufgrund der Nachfrage öfters ein veganes Menü angeboten.

Doch durch die Corona-Pandemie und den damit fehlenden Präsenz-Betrieb haben sich alltägliche Kontakte stark reduziert und der alltägliche Gang in die Mensa ist für viele wie eine lang zurückliegende Erinnerung. Für Studierende, die sich trotzdem mit Gleichgesinnten austauschen möchte, gibt es deshalb die Vegane Hochschulgruppe. Schon vor der Pandemie gab es einen wöchentlichen im Café SOL stattfindenden Stammtisch, der sich nun zeitweise auf Zoom verlagert hat. Die Hochschulgruppe informiert über die vegane Lebensweise und organisieren Aktionen an der Uni.

So besuchte der englische Aktivist Ed Winters, besser bekannt als „Earthling Ed“, 2019 die Universität Konstanz, um dort einen Vortrag zu halten und auf Fragen zum Thema Veganismus einzugehen.

Dank der Veganen Hochschulgruppe gibt es auch eine Liste mit veganen Restaurants in Konstanz:

All diese Geschäfte, Cafés und Restaurants bieten dir vegane Produkte und Gerichte an, einige verfügen sogar über ein komplett veganes Angebot.

Wem die Virtualität zu viel wird, hat auch die Möglichkeit sich anders zu engagieren und zu vernetzen. In Konstanz gibt es mehrere ortsansässige Gruppen, die sich für Tierrechte einsetzen. Dazu gehört unter anderem der Verein „Animal Pride“, der für Patenschaften geretteter, zuvor dem Tode geweihten Tiere zuständig ist und auch weitere Aktionen leitet, wie beispielsweise einen Kuchenstand. Dieser findet nicht selten in Verbindung mit der Ortsgruppe „AV: Konstanz“ statt. Diese Gruppe gehört der weltweit agierende Organisation „Anonymous for the Voiceless“ an und leistet damit einmal im Monat auf der Marktstätte mit Hilfe von Videomaterial Aufklärungsarbeit für die vegane Lebensweise und damit für das Ende vom Tierleid.

Am ersten Juli findet „Sustainable Thursdays – Summer Edition No. 4“ statt. Dies wird Organisiert vom „Green Office“, dem Projekt Nachhaltigkeit, „Viva con Agua Konstanz“ und der Veganen Hochschulgruppe Konstanz. Die Hochschulgruppe leistet dabei einen Beitrag mit Erfahrungsberichten auf Instagram und einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die biozyklisch-vegane Landwirtschaft. In den kommenden Monaten organisiert „Animal Pride“ zudem am dritten Juli den „Animal Pride Day“ mit einer Demo von Kreuzlingen nach Konstanz und auch während der Pandemie steht am ersten beziehungsweise dritten Samstag im Monat das „AV“-Team unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen auf der Marktstätte für Aufklärungsarbeit bereit.

Laut einer Ernährungsstudie aus dem Jahr 2020 leben bereits 2,6 Millionen Menschen in Deutschland vegan; Tendenz jährlich steigend. Dank des Internets, immer neuen Dokumentationen, der Ausweitung des veganen Sortiments und nicht zuletzt aktivistischen Gruppen reflektieren immer mehr Menschen ihre Ernährungsform. Das zeigt sich auch an den wachsenden Angeboten: Ein tierleidfreies Leben zu führen war noch nie so einfach wie jetzt – auch in Konstanz!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Posts
Lesen

Ein offener Brief an die Deutsche Bahn

Zuerst einmal vorweg: Ich bin auf der Suche nach einem Auto. Es soll die Grüne Umweltplakette erhalten können und kein Diesel sein – der Umwelt zuliebe. Vielleicht kann mir jemand von der Deutschen Bahn eines empfehlen, denn ich bin sicher, die Damen und Herren der Bahngleisschöpfung fahren genauso selten Zug wie ich bisher mein eigens Auto, nämlich gar nicht. Was mein Autokauf und die Deutsche Bahn miteinander zu tun haben? Eine ganze Menge, um genau zu sein alles:
Person mit Bildern im Hintergrund
Lesen

Trippy Overkill: Die Idylle ist der gefährlichste Ort der Welt

Kunst hat viele Gesichter – Jeremias Heppeler bespielt, bemalt und beschreibt sie alle. Geboren und aufgewachsen in Fridingen bei Tuttlingen und Mühlheim an der Donau ist der Künstler ein echter Schwob. An der Universität Konstanz studierte er zunächst Germanistik, 2015 folgte dann der Master-Abschluss im Studiengang Literatur-Kunst-Medien. Diese drei Felder hat er sich zu eigen gemacht. Er spielt mit ihnen, dreht sie um, nimmt sie auf sowie auseinander.
Lesen

Von Masken und Müllbeuteln: Wie die Corona-Pandemie auch das Leben in der Obdachlosigkeit verändert

Das Dach der Bankfiliale in der Rosgartenstraße in Konstanz hält den Regen wenige Zentimeter von der Mauer fern. Nicht weit genug für Jessica, die an ebendieser Wand kauert und ihre unter dem Körper angezogenen Beine mit einem Müllsack vor der Nässe schützt. An ihr vorbei laufen die Menschen nun wieder in dichterer Folge, gerade suchen sie nur Schutz vor dem plötzlichen Schauer. Die Zeit der leeren Straßen, als sich die Menschen ganz zurückzogen, ist vorbei. Jessica ist froh über den auf die Straße zurückkehrenden Alltag.